"Denke selbst! - Wie bleiben wir Mensch im KI-Zeitalter?

Ehemaliger Johnny-Schüler (Abi 1976) referierte

Kann eine künstliche Intelligenz ein Freund sein? Macht KI uns abhängig? Und wie können wir unsere Freiheit und unser selbstständiges Denken bewahren? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich am Freitag, dem 28. August, rund 90 Schülerinnen und Schüler der MSS 13 gemeinsam mit Religionslehrkräften in der Aula des Johannes-Gymnasiums. Unter dem Titel „Menschen bleiben im Zeitalter von KI“ nahm Prof. Dr. Eduard Zwierlein die Teilnehmenden mit auf eine philosophische Reise durch eine Welt, in der Künstliche Intelligenz immer stärker unseren Alltag prägt.

Nach einer kurzen Einführung startete der Studientag mit dem Impulsvortrag „KI – (m)ein Freund?“. Dabei ging es um eine Frage, die angesichts von Chatbots und virtuellen Begleitern längst nicht mehr nur Zukunftsmusik ist: Was unterscheidet eine echte menschliche Beziehung von einer Beziehung zu einer Maschine, die zuhört, antwortet und scheinbar Verständnis zeigt?

In anschließenden Workshops gingen die Schülerinnen und Schüler diesen Fragen selbst auf den Grund. Sie diskutierten, worin sich menschliche und simulierte Beziehungen unterscheiden, ob virtuelle Freundschaften unsere Fähigkeit zu echten Freundschaften verändern und ob digitale Beziehungen eine sinnvolle Ergänzung zu menschlicher Nähe darstellen – oder ob gerade ihre Verführungskraft problematisch werden kann. Die unterschiedlichen Positionen und Thesen wurden anschließend im Plenum zusammengetragen und diskutiert.

Nach der Auseinandersetzung mit Freundschaft und Beziehung rückte am späten Vormittag ein anderes Thema in den Mittelpunkt: „KI – digitales Kokain?“ In seinem zweiten Impulsvortrag lenkte Prof. Zwierlein den Blick auf die Frage, welchen Einfluss KI und digitale Medien auf unsere Aufmerksamkeit, unser Verhalten und letztlich auf unsere Selbstbestimmung haben können.

In Dreiergruppen setzten sich die Schülerinnen und Schüler anschließend mit provokanten Fragen auseinander: Was bedeutet der aufklärerische Anspruch „Denke selbst!“ in einer Welt, in der KI uns immer mehr Denkarbeit abnehmen kann? Könnte KI dazu verführen, nicht mehr selbst zu denken? Und wenn künstliche Intelligenz immer gezielter unser Unbewusstes anspricht, wie könnte dann eine persönliche „Human Firewall“ aussehen – ein Schutzschild, das uns vor Manipulation, Abhängigkeit und dem Verlust unserer Selbstbestimmung bewahrt? Auch die Frage, ob insbesondere für Kinder und Jugendliche Grenzen und Verbote notwendig sein könnten, wurde kontrovers diskutiert.

Der Studientag machte deutlich: Die entscheidenden Fragen rund um Künstliche Intelligenz sind nicht allein technischer Natur. Es geht um Freiheit, Freundschaft, Verantwortung, Selbstbestimmung und die Frage, was den Menschen eigentlich zum Menschen macht.

So blieb am Ende vor allem eine Aufforderung, die bereits die Aufklärung geprägt hat und angesichts der rasanten Entwicklung von KI neue Bedeutung gewinnt: Denke selbst. Bleib neugierig. Und bleib Mensch.

(Julia Ernst)