4. Tag - atemberaubendes Canyoning


Heute Morgen wurden wir bei strahlendem Sonnenschein wieder vom Rauschen des Baches geweckt. Allerdings sahen die Gesichter einiger Schüler heute… sagen wir mal… etwas müder als sonst aus. Ob das eher am gestrigen Tagesprogramm lag oder vielleicht doch am Abendprogramm… das lässt sich nur schwer sagen.

Denn heute hieß es: Round 2!

Für Frau Lange und Herrn Liesenfeld ging es heute gemeinsam mit einer Gruppe ins wunderschöne Ötztal. Schon auf dem Weg Richtung Piburger See wurde klar: Das Alpenpanorama hier spielt wirklich komplett in einer anderen Liga. Berge, Wald, glasklares Wasser und mittendrin die 9d. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle Fritz, der sich heute offensichtlich vorgenommen hatte, den Wanderweg kreativ neu zu interpretieren. Während der Rest der Gruppe noch entspannt dem eigentlichen Weg folgte, lief Fritz bereits motiviert voraus – allerdings gerne auch mal in komplett falsche Richtungen. Ergebnis des Tages: geschätzte 2000 Extrameter, mehrere spontane Wendemanöver und die Erkenntnis, dass Orientierung manchmal eben auch Glückssache ist. Einen absoluten Klassenfahrtsmoment gab es außerdem irgendwo mitten auf dem Wanderweg. Frau Lange fragte ganz entspannt und eher leise in die Runde: „Will jemand einen Proteinriegel?“ Was dann passierte, ließ starke „Findet Nemo“-Möwen-Vibes aufkommen. Mindestens fünf Jungs drehten sich zeitgleich blitzartig um und riefen quasi synchron:

„PROTEIN?! PROTEIN?! PROTEIN?!“

Ein weiteres Highlight des Tages spielte sich im Restaurant am Piburger See ab. Dort durften die Schülerinnen und Schüler selbstverständlich die Toiletten nutzen – allerdings offenbar nur gegen einen hohen Preis. Denn die Lehrkräfte gaben spontan auf ihren Nacken für alle ein Eis aus. An dieser Stelle darf sich die Schulleitung beim Wunsch einer finanziellen Beteiligung selbstverständlich jederzeit melden. Währenddessen ging es für die andere Gruppe actionreich zur Sache: Canyoning stand auf dem Programm. Also Helm auf, rein in den Neoprenanzug und ab in die Alpenrosenklamm. Dort wurde geklettert, gerutscht, gesprungen und sich spektakulär abgeseilt – teilweise an Stellen, bei denen man sich kurz fragte, ob das wirklich noch eine Klassenfahrt oder schon irgendein Extremsport-Format auf Netflix ist. Besonders die Abseilmomente sorgten definitiv für Nervenkitzel. Manche meisterten das Ganze mit erstaunlicher Coolness, andere eher mit einer Mischung aus Motivation, Überlebenswillen und sehr lautem Atmen. Zwischendurch wurde es allerdings auch mal etwas lauter von Seiten der Guides. Offenbar waren nicht alle Sicherheitsanweisungen sofort als „wirklich ernst gemeint“ verstanden worden. Sagen wir mal so: Nach dem dritten sehr deutlichen „NICHT LOSLASSEN!“ war dann endgültig klar, dass Sicherheitsvorkehrungen beim Canyoning keine optionalen Vorschläge darstellen. Am Nachmittag wurde der sportliche Ehrgeiz dann direkt weitergetragen. Auf dem Volleyballfeld kam es zu hochklassigen Duellen zwischen dem Team von Herrn Thieltges und dem Team Frau Lange/Herrn Liesenfeld.  

Dabei entwickelte sich besonders eine Frage zum Mysterium des Tages:

Was genau war eigentlich im Team Thieltges bei der Rotation los?

Teilweise standen plötzlich alle irgendwo, manche offensichtlich gleichzeitig auf derselben Position und spätestens nach dem dritten „Moment, wer müsste jetzt eigentlich aufschlagen?“ war klar: Die Gegner mussten heute nicht nur gegen das andere Team spielen, sondern auch gegen die eigene Aufstellung. Trotzdem wurde mit vollem Einsatz gespielt, gehechtet, diskutiert und selbstverständlich jeder Punkt gefeiert, als ginge es gerade um olympisches Gold. Am Abend stand dann die inzwischen legendäre Handyrückgabe an. Zusätzlich gab es heute noch eine kleine Sondermission:

„Wer besitzt eigentlich heimlich ein Zweithandy?“ Die Ermittlungen laufen noch. 

Fazit des Tages:

Wanderkilometer: viele.

Zusätzliche Fritz-Kilometer: noch mehr.

Aura: maximal gefarmt.

Proteinriegel: offensichtlich hochemotionales Thema.

Abseilmomente: spektakulär.

Volleyballrotationen: weiterhin ungeklärt.

Französischkenntnisse von Herrn Thieltges: inexpliqué.

Toilettengänge: kostenlos.

Eisbilanz der Lehrkräfte: kritisch.

Zweithandys: streng geheim. 

Morgen geht es schon wieder zurück nach Hause – mit einer Handvoll Erinnerungen im Gepäck.

(Susanne Lange, Felix Liesenfeld)