Pregare e visitare a Verona
Sonntagmorgen, 8:30 Uhr, - was macht ein Johnny-Schüler bzw. eine Johnny-Schülerin? Natürlich - er oder sie bereitet sich auf den Sonntagsgottesdienst vor.
Das war unser erster Programmpunkt nach dem Frühstück, das Kevin (!), der italienische Barkeeper, uns servierte. Kevin ist in Deutschland geboren und lebt seit zwei Jahren wegen der Liebe in Verona - wer kann das nicht verstehen? Auf jeden Fall ist sein Vorname für einen Italiener schon sehr ungewöhnlich, der Capucchino aber umso besser.
Punkt 10:00 Uhr kamen wir an der Basilica San Zeno an, der Gottesdienst hatte gerade begonnen - natürlich in italienischer Sprache. Sehr praktisch war die digitale Leinwand, auf der wir die Texte der Lesungen verfolgen konnten. Thema war Mt 16,18f. - "Du bist Petrus, der Fels, auf dem ich meine Kirche errichten werde." Kirchenhistorisch im Prinzip die wichtigste Perikope im Blick auf die Ämterentwicklung in der Katholischen Kirche, insbesondere für die Legitimation des päpstlichen Primats....
Die Basilica gehört zu den schönsten Kirchen Norditaliens. Sie ist dem Stadtpatron Zeno geweiht, der als "Bischof von Verona" im 4. Jahrhundert die Glaubensgemeinschaft sehr geprägt hat. Der Legende nach stammt er aus Afrika, daher ist seine Marmorstatue in schwarzer Farbe gestaltet. Die Fassade des romanischen Baus besteht aus einem Wechsel von Travertin und Ziegel, was zu einer sehr interessanten Gestaltung führt. Im Zentrum findet man auf dem Hochaltar ein grandioses Altarbild, das ein Hauptwerk der Renaissance darstellt aus der Schule des Giotto -sehr beeindruckend. Nach einigen kirchen- und kunsthistorischen Erklärungen von Herrn Loch, der sich gegenüber dem sehr eigenwilligen Küster der Kirche mit Händen und Füßen gewehrt hat, die Kirche zu verlassen, ohne seine Schülerinnen und Schüler einen kurzen Einblick in die Kirchengeschichte von San Zeno zu geben, ging es dann durch das Borgo Trento über den Arno in die Altstadt zur Casa di Giulietta und der Piazza dei Signori. Im Zentrum der Piazza steht eine Statue von Dante Alighieri, der in der Zeit der Skaliger in Verona Zuflucht erhalten und mit seiner "Göttlichen Komödie" u.a. die italienische Sprache begründet hat.
Sichtlich ermüdet von den Ausführungen des Schulleiters entschied sich dann die deutliche Mehrheit der Schülergruppe, nicht noch die Stationen der Skaligergräber und der Ponte Pietra mitzumachen (bis auf zwei tapfere Schülerinnen - Luna und Mathilda), so dass dann die Schülergruppe den Nachmittag in der Stadt gestaltete und (hoffentlich) ihre Hausaufgabe erledigte: Interviews auf Italienisch zu führen mit einheimischen Jugendlichen - mal sehen, was daraus geworden ist? Frau Bürger und Herr Loch fanden auf dem Weg zur Ponte Pietra eine wundervolle Trattoria, wo sie eine fantastische "cena" erleben durften. Auf einer Tafel neben dem Eingang fand sich interessanterweise ein Spruch von Arthur Schopenhauer: "Il destino mescola e noi giochiamo" - das Schicksal (Gott) mischt die Karten und wir spielen. Eine philosophisch bekannte Formel im Blick auf die Frage, wie Gottes Wirken in der Welt und die Freiheit des Menschen zusammen kommen können!
Das Abendprogramm stand dann ganz im Zeichen der Kochkünste von "il capo", der eine grandiose Carbonara- und eine Pomodoresoße kochte, so dass alle zusammen im Zelt hinter der Bar das Abendessen genießen konnten. Überraschenderweise schlugen dann die Schülerinnen und Schüler vor, auf der Campinganlage ein Versteckspiel zu spielen und da war Frau Bürger natürlich nicht mehr zu halten. Während "il capo" den Abwasch übernahm, hatten alle offensichtlich viel Freude bei diesem Spiel - wie schön ist das denn!!
Nach dem wilden und lauten Versteckspiel, bei dem glücklicherweise keine Nasen gebrochen und Füße verstaucht wurden, versammelten sich die "ragazzi e ragazze" zum gemütlichen Werwolf-Ausklang.
