Tag 4 – Vom Winde verweht
Tja, wo sollen wir hier anfangen? Was für ein Tag. Kurzfassung: Wind. Viel Wind. Richtig viel Wind. Und unterschiedlichste Grenzerfahrungen …
Aber ganz von vorne. Schon am Morgen zeigte uns der erste Blick aus dem Fenster: Das wird heute keine ruhige Fahrt. Und spätestens, als Max alle an Deck rief und verkündete, dass an diesem Tag das Tragen der Rettungsweste unbedingt Pflicht sei, dachte sich auch der schläfrigste Schüler: Oha, das wird heftig. Also: Alle Rettungswesten an, Kapuze auf, Kragen hochklappen und ab in den Kampf gegen den Wind, um die Segel zu hissen. Während an den Tagen zuvor bei dieser Aktion eine eher lockere Stimmung herrschte, merkte man an diesem Mittwoch schnell, dass alle nun merklich konzentriert arbeiteten, um die maximale Sicherheit an Bord zu gewährleisten. Denn mit Wasser und Wind ist schließlich nicht zu scherzen und bei so mancher Böe klammerten sich dann alle schnell an die Reling, um nicht über Bord zu gehen.
Mit geballter Kraft zogen nun alle am Seil, um das Hauptsegel im Zentrum des Schiffes in Position zu bringen. Da platschte schon die erste größere Welle über die Reling und einige japsten leicht, da ihnen das Salzwasser genau ins Gesicht gespritzt war. Kaum hatten sie gerade wieder Luft geholt, rollte schon die zweite Welle über die „Elizabeth“ hinweg und dieses Mal erwischte sie insbesondere Elif, welche eine zweite Dusche erhielt. Man munkelt, die ein oder andere Lehrperson habe sich in dem Moment auch hinter der armen Elif geduckt, um selbst nicht nass zu werden …
Wenige Stunden später: Ein paar tapfere Segler verweilten trotz der stürmischen Böen an Deck, um die Aussicht auf die unruhige Wattensee zu genießen, als ein unheilvolles und doch eindeutiges Geräusch alle aufschrecken ließ: Ein lautes RATSCH ertönte und der Blick nach oben bestätigte dann auch die ersten Befürchtungen – das Hauptsegel war tatsächlich gerissen. Eine leise Panik brach aus, doch Max beruhigte alle schnell, holte das Segel fachmännisch ein und erläuterte das weitere Vorgehen, welches einen Austausch der Segel inklusive Baum von Mast zu Mast am Zielhafen von Harlingen beinhaltete. Er selbst gab zu, dass dies eine eher ungewöhnliche Situation an Bord war, versicherte uns aber auch, dass die Klasse 9b, welche bereits an den vorangegangenen Tagen ihre Teamfähigkeit unter Beweis gestellt hatte, auch diese Herausforderung mit Bravour meistern würde.
Unterdessen kämpfte die Küchencrew des Tages – eine rein männliche Besatzung, wenn man dies an dieser Stelle erwähnen darf – mit diversen widrigen Bedingungen, da das Schiff doch noch etwas mehr als sonst schwankte und dies das Schneiden der Zutaten für den Grillabend deutlich erschwerte. Dass allerdings auch wenige der mutmaßlichen Köche überhaupt bisher ein Küchenmesser in der Hand gehalten hatten, führte dazu, dass an diesem Tag manch einer auf die glorreiche Idee kam, eine Gurke mit der Schere zu schneiden, bis irgendwann Frau Reimann und Greta, die sich ernsthafte Sorgen um den Zustand der Küche zu machen begannen, eingriffen und die Herren in die Kunst der Gurken- und Nudelsalatzubereitung einführten, sodass das Abendessen gerettet war.
Als wir endlich in Harlingen anlegten, wurde die Gruppe in zwei Hälften geteilt, damit der bereits zuvor angekündigte Segelaustausch verrichtet werden konnte. Während Gruppe 1 also das Städtchen und dabei insbesondere die Einkaufsstraße erkunden durfte, packte Gruppe 2 tatkräftig an, löste das gerissene Hauptsegel vom Mast und breitete es im Hafengelände aus, um das Ausmaß des Schadens zu begutachten. Nach anderthalb Stunden gab es dann einen Schichtwechsel und Gruppe 2 wurde nun damit beauftragt, das kaputte Segel zunächst zu falten und dann das Besansegel vom Heck des Schiffes an der Stelle des Hauptsegels einzufädeln. Skipper Alwin packte dabei kurzerhand zwei Schüler ein und unternahm mit ihnen eine Spritztour zur Näherin, um das Segel flicken zu lassen. Wir haben gehört, dieser Ausflug sei durchaus abenteuerlich gewesen!
Das Küchenteam kümmerte sich währenddessen um die Besorgung des Grillguts für den Abend. Und so konnte dann auch nach getaner Arbeit, für die Max sich auch im Rahmen des Abendessens nochmal aufrichtig bedankte, ein gemütlicher Tagesausklang an Bord der „Elizabeth“ gefunden werden. Die Geschichten des ereignisreichen Tages wurden an dem Abend noch mehrmals wieder aufgerollt und mehrere Schülerinnen beteuerten, sie seien bei den Aktionen „fast über Bord gegangen“ – da sind wir ja einfach nochmal froh, dass alles gut gegangen ist!
