An der Frage, ob die Bundeswehr einen Zugang zur Schule haben sollte oder nicht, scheiden sich die Geister. Das Simulationsspiel „Politik & internationale Sicherheit“ (Pol&IS), ein interaktives  Planspiel, das politische, ökonomische und ökologische Aspekte der internationalen Politik berücksichtigt, macht da keine Ausnahme. Denn Pol&IS  wird von Jugendoffizieren der Bundeswehr durchgeführt, was eine politisch gewollte, bevorzugte Behandlung einer Institution darstelle – so die Kritiker -, die für militärisch gestützte Ansätze internationaler Konfliktbearbeitung stehe.

Um es vorweg zu nehmen: Eine Bevorzugung militärischer Lösungsmodelle für die in Pol&IS aufgeworfenen politischen, wirtschaftlichen oder sozialen  Probleme konnten die beaufsichtigenden Lehrer, die mit einer Gruppe von 50 Schülerinnen und Schüler aus den gesellschaftswissenschaftlichen Leistungskursen der MSS 12 im Dezember 2013 an einem viertägigen Pol&IS-Seminar teilnahmen, nicht feststellen. Zumal die Vorgabe von Jugendoffizier Dennis Liebenthal eindeutig war: „Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt“, zitierte Liebenthal, der zusammen mit seinem Kollegen Christian Kotthoff für die Durchführung des Projekts verantwortlich zeichnete, Artikel 2 (4) der UN-Charta.

Aktuelle internationale Themen

So stand die Suche nach friedlichen, auf Gewaltanwendung nach Möglichkeit verzichtenden Problemlösungen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit internationaler Politik. Die folgenden aktuellen Themen wurden u.a. angesprochen:

  • organisierte Kriminalität (Drogenkartelle, internationaler Waffenhandel u.a.)
  • Energiepolitik (Kernkraft, Rohstoffe u.a.)
  • Menschenrechte (Menschenhandel, Kinderarbeit, Homosexualität u.a.)
  • Kindersoldaten
  • Naturkatastrophen (Haiti, Philippinen u.a.)
  • Umweltschutz (Müll, Regenwald, Walfang u.a.)
  • Terrorismus
  • Piraterie (auch. Produktpiraterie)
  • Alkoholismus
  • Flüchtlingsströme (Syrien, Korea, Mali u.a.)
  • Gesundheit und Bildung
  • Korruption
  • Überproduktion und Hunger
  • Pressefreiheit

Die Schülerinnen und Schüler hatten die Aufgabe, aus ihrer jeweils zugeteilten Rolle heraus Strategien der Konfliktbereinigung zu entwickeln, diese in übergreifenden Arbeitsgruppen zu diskutieren und schließlich dem Plenum einer fiktiven Völkerversammlung vorzustellen.  "Die friedenspolitische Bildung als Befähigung zur angemessenen Beurteilung internationaler Konflikte, zur Vermittlung von sozialen Kompetenzen im Umgang mit Konflikten im persönlichen und öffentlichen Bereich und zur Mitwirkung bei deren Lösung ein zentraler Bestandteil" wird als ein Bildungsauftrag der öffentlichen Schulen angesehen, heißt es dazu in einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz und dem Netzwerk Friedensbildung Rheinland-Pfalz vom 15.8.2011.  „Dieser Prozess der Verknüpfung und Vertiefung bedarf einer gemeinsamen Anstrengung aller beteiligten Akteure und einer ausgeprägten Streit- und Konfliktkultur an der gesamten Schule“ (vgl. hierzu Uli Jäger, Bundeswehr und Friedensbildung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 44/2013, S. 31 ff.).

Methodische Hilfen und permanentes Feedback

Wie wollen wir zusammenleben? Wie soll mit Unterschieden, wie mit daraus resultierenden Konflikten umgegangen werden? Diese Fragen stellten sich sowohl auf der individuellen, gesellschaftlichen wie auch der internationalen Ebene. Darüber hinaus sahen sich die Schülerinnen und Schüler methodischen Herausforderungen gegenüber: Wie halte ich eine Rede vor dem Plenum? Wie gestalte ich eine begleitende und aussagekräftige Präsentation? Wie gehe ich mit kritischen Fragen um? Dennis Liebenthal und Christian Kotthoff oblag es auch hier, der Lerngruppe methodische Hilfen anzubieten und ein kompetentes Feedback zu geben.

Pol&IS ist zugegebenermaßen ein zeitaufwendiges Projekt und greift allein schon aufgrund seiner fünftägigen Dauer (inklusive Hin- und Rückfahrt zur Bildungsstätte Heiligenhof in Bad Kissingen) in erheblichem Maß in den alltäglichen schulinternen Ablauf ein. Pol&IS  ist aber auch eine Antwort auf die Frage, wie sich Schule insgesamt auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur verändert und dann auch den neuen Herausforderungen im großen Themenfeld Frieden gerechter werden kann (vgl. ebd. S. 35.). Deshalb kann Pol&IS in Kursen des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes, allen voran der Sozialkunde, einen Beitrag zu einem wirklichkeitsnahen Unterricht leisten, der Politik erfahrbar macht.

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