Dienstag, 4. Juni 2013

Mit 27 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 10 und 11 bereiten wir (die Kollegen Edgar Benz, Hermann-Josef Hallerbach, Benno Lukitsch und Uta Wittenbruch-Overings) uns am Vormittag auf den Jakobs-Pilgerweg, den wir an den beiden Folgetagen von Limburg bis Lahnstein zurücklegen möchten, vor. Herr Benz führt in die Geschichte und Geographie des Jakobswegs nach Santiago de Compostela ein und lässt dabei neben den eigenen Pilgererfahrungen auch Hape Kerkeling ausführlich zu Wort kommen. Im anschließenden religiösen Impuls (Herr Lukitsch) steht die Bedeutung und Symbolik der Jakobsmuschel, die jeder Teilnehmer erhält, im Mittelpunkt. Organisatorische Hinweise beschließen diesen Vormittag.

Mittwoch, 5.Juni 2013

Gut gelaunt finden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts gegen 8.00 Uhr am Bahnhof in Niederlahnstein zur Abfahrt nach Limburg ein. Dort nimmt Herr Hallerbach, der sich freundlicherweise für den Fahrdienst bereit erklärt hat, das Übernachtungsgepäck in Empfang.

Limburg erwartet uns im Sonnenschein, wie überhaupt das Wetter in diesen Tagen bestens „mitspielt“. Bevor wir unseren Weg mit einer Eucharistiefeier im Limburger Dom beginnen, haben wir noch eine kurze Gelegenheit, die Altstadt zu erkunden und den Dom in verschiedenen Perspektiven in den Blick zu nehmen. Der Gottesdienst, von einem älteren Dompfarrer geleitet, bildet einen gelungenen und motivierenden Auftakt für den Weg. Es ist ein besonderes Erlebnis, in diesem besonderen und wunderbar hellen Kirchenraum mit einer kleinen Gruppe den Segen für den Weg zu empfangen. Da der Limburger Dom als Kirche am Jakobsweg auch eine Pilgerkirche war und ist, erhalten wir im angrenzenden Pfarrhaus unseren ersten Pilgerstempel.

Unsere erste Etappe führt uns über Diez nach Balduinstein. Obwohl der Weg von Limburg nach Lahnstein in der zur Verfügung stehenden Zeit sowieso nicht ganz zu Fuß gelaufen werden kann, ist es uns wichtig, die erste und die letzte Etappe zu Fuß zu gehen. Die Symbolik des Weges, der immer auch für den Lebensweg des Menschen steht, zeigt sich gerade darin, dass er nicht ausschließlich durch landschaftlich reizvolle Gegenden führt, sondern auch durch Wohngebiete, an größeren Straßenbaustellen vorbei… In Diez und nach einem stärkeren Anstieg vor Balduinstein machen wir eine größere Pause.

Am frühen Abend bringt uns dann der Zug nach Obernhof, wo wir in der Klostermühle, einer Jugendbegegnungsstätte einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinschaft, Unterkunft finden. Das Kloster Arnstein, dem wir uns aufgrund der ehemaligen Trägerschaft unserer Schule besonders verbunden fühlen, ist an diesem Tag belegt, doch die Alternative der „Klostermühle“ erweist sich als „Glücksgriff“: Wir werden mit großer Herzlichkeit aufgenommen und erfahren vorbehaltlose ökumenische Gastfreundschaft, die auch nicht aufhört, als einige Projektteilnehmerinnen abends um 22.45 Uhr noch ein Abendbrot erhalten, weil sie wegen einer anderen verpflichtenden Schulveranstaltung am selben Abend nicht beim gemeinsamen Abendessen dabei sein konnten…

Auf dem Abendprogramm steht dann die französische Filmkomödie „St. Jacques – Pilgern auf Französisch“. Die humorvolle und vielschichtige Geschichte um drei miteinander zerstrittene Geschwister, die, um das Erbe ihrer verstorbenen Mutter zu erlangen, den Jakobsweg pilgern „müssen“ und dabei in eine ebenfalls „bunte“ Pilgergruppe geraten, beeindruckt nicht nur die Schülerinnen und Schüler. Viele Details des Filmes sind auch am Folgetag noch Gegenstand verschiedener Gespräche auf dem Weg.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Diesen Tag beginnen wir, nachdem wir uns in der „Klostermühle“ verabschiedet haben, mit einem Wortgottesdienst in der Arnsteiner Klosterkirche. Ein sinnenfälliges Zeichen dessen, was die Gruppe an diesem Morgen bewegt, sind die Fürbitten, die in Verbindung mit Weihrauchkörnern (nach vorne) vorgetragen werden. In Arnstein erhalten wir unseren zweiten Pilgerstempel.

Das erste Ziel unseres Weges, der immer wieder von meditativen Impulsen begleitet wird, ist die alte – nun evangelische -  Pilgerkirche St. Kastor in Dausenau, die wir gegen 14 Uhr erreichen. Hier erwartet uns nicht nur ein Kleinod romanischer Baukunst und mittelalterlicher Innenausstattung, sondern auch ein fulminanter Orgel-Auftakt, mit dem der Musikkollege Hallerbach uns empfängt. Im Anschluss an eine Statio zum Thema „Hl. Räume und Wege“  und nachdem wir den schönsten Stempel unseres Pilgerweg erhalten haben, geht es zum Dausenauer Bahnhof und von dort aus mit dem Zug nach Friedrichssegen - getreu dem Motto „Anfang und Ende sollten zu Fuß gepilgert werden“ (s.o.) . Friedrichssegen liegt ja eigentlich nahe bei Lahnstein, aber da wir schon zwischen Kloster Arnstein und Dausenau erfahren haben, das der Weg an der Lahn nicht nur gerne von Fußgängern, sondern auch von Radfahrern genutzt wird, entscheiden wir uns für den ruhigeren Jakobsweg über die Höhe, der der Gruppe noch einmal allerhand abverlangt. Zwei Stunden später, gegen 17.45 Uhr erreichen auch die letzten die Johanniskirche, „unsere“ letzte Station, wo unser gemeinsamer Pilgerweg mit einem Segen von Pater Karbach zu Ende geht.

Was bleibt von diesen drei Tagen?

Viele Schülerinnen und Schüler kannten den Jakobsweg bestenfalls durch den Buchtitel von Hape Kerkeling („Ich bin dann mal weg“). Es war eine gute Erfahrung, ein Stück dieses Weges vor Ort entdeckt und konkret  „unter dir Füße“ genommen zu haben. Durch das gemeinsame Unterwegssein wurden Begegnungen und Gespräche möglich, für die im Schulalltag oft nur wenig Raum ist. Zugleich bot der Weg viele Möglichkeiten, den „eigenen Wurzeln“ im Glauben und Leben alleine und im Austausch mit anderen auf die Spur zu kommen.

Ein ganz herzliches Dankeschön allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern dafür, dass und die Art und Weise, wie sie sich auf dieses Projekt eingelassen haben!!!

Für die Projektgruppe: Uta Wittenbruch-Overings, Benno Lukitsch und Edgar Benz