Ganz schön spannend – diese Gesetzgebung! Zu dieser Erkenntnis kamen 90 Schüler der zehnten Jahrgangsstufe des Johannes-Gymnasiums in Lahnstein. Sie nahmen an einem Planspiel zum Gesetzgebungsverfahren der EU teil und schlüpften dabei für einen Tag in die Rolle eines Entscheidungsträgers auf europäischer Ebene.

Möglich gemacht wurde das Planspiel vom Regionalbüro Mainz der sozialdemokratischen Friedrich-Ebert-Stiftung, welche erstmals am Johannes-Gymnasium ein Planspiel organisierte. Besonders spannend für die Schüler war der Besuch des Staatssekretärs David Langner (SPD). Als ehemaliger Schüler des Johannes-Gymnasiums konnte er den Teilnehmern des Planspiels einen exklusiven Einblick in den politischen Alltag bieten.

An diesem Tag schlüpften die Lahnsteiner Schüler in ganz verschiedene Rollen. Als Mitglied der Europäischen Kommission, Abgeordneter des Europäischen Parlaments, Regierungsmitglied eines Mitgliedslandes im Ministerrat oder auch in der Rolle eines Interessenvertreters diskutierten sie verschiedene Standpunkte zum Thema europäische Energiepolitik. Am Ende des Tages sollte dabei eine gemeinsame Position zu einer Gesetzesvorlage entstehen. Leichter gesagt als getan.

Getreu dem Spruch: „Nur wer selbst für etwas brennt, kann in anderen ein Feuer entfachen“, versuchte man, sich gegenseitig von seinem eigenen Standpunkt zu überzeugen. Konstantin Franken erzählt von seinen Erfahrungen: „Als Lobbyist für die Atomwirtschaft durfte ich zwischen den Debatten hin- und herwechseln und musste versuchen, die Politiker von meiner Meinung zu überzeugen. Dadurch habe ich einen guten Überblick über die vielen verschiedenen Argumente bekommen und konnte feststellen, wie anstrengend es ist, andere von seiner Meinung zu überzeugen.“

Der Tag war gefüllt mit hitzigen Diskussionen und Debatten. Die verschiedenen Argumente wurden – wie auch im echten Leben – im Plenum ausgetauscht und abgewogen. Neben der Ausarbeitung der gemeinsamen Position waren die intensive Aussprache über den Vorschlag und das Erstellen von Änderungsanträgen die zentralen Lernfelder des Tages.

Besonderes Lob gebührte den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden der europäischen Institutionen. Sie hatten die Aufgabe, die Debatten anzuleiten und die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen. „Parlamentsvizepräsidentin“ Kira Jächel berichtet: „Es war spannend, die Diskussion zu leiten, aber auch sehr anstrengend, alles zu koordinieren und möglichst alle gleichberechtigt zu Wort kommen zu lassen. Ich bin aber immer besser in meine Rolle gewachsen, und am Ende hat mir diese Sonderrolle richtig Spaß gemacht.“ Der Leiter des Regionalbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mainz, Martin Gräfe, freute sich, dass „die Schüler durch die Teilnahme an den Planspielen die Gelegenheit wahrgenommen haben, den Gesetzgebungsprozess der Europäischen Union auf eine so spannende Weise kennenzulernen. Durch das Planspiel wird ein komplexes Thema für alle Teilnehmenden direkt erfahrbar, aber auch das Politikmachen selbst wird verständlich.“

Und wie ging’s aus? Am Ende des Tages konnten sowohl im Ministerrat als auch im europäischen Parlament gemeinsame Vorgaben festgelegt werden, die die Energiepolitik der europäischen Union der nächsten Jahre maßgeblich verändern sollen. Besonders der Ausstieg aller EU-Staaten aus der Atomenergie und der Ausbau des europäischen Energienetzes standen im Fokus des Planspiels.

Rh.-Lahn-Ztg. Bad Ems vom Dienstag, 2. Juni 2015, Seite 23