Folgende Schüler haben beim Schulwettbewerb Jugend debattiert gewonnen und nehmen am Regionalwettbewerb in Montabaur am 10. Februar 2014 teil:

1.Platz: Jan Nikolaus Lieberum       (MSS 12)

2.Platz: Julius Wittkopp                      (MSS 11)

Für die Sekundarstufe I nimmt Leon Zmelty (10b) teil.

Erste Debatte:  Sollen besser verdienende Eltern einen höheren Teilnahmebeitrag für Klassenfahrten ihrer Kinder entrichten?

Die Pro-Seite würdigte den sozialen Gesichtspunkt der Maßnahme: auf diese Weise könne einer Ausgrenzung von Armut betroffener Kinder angemessen begegnet werden; eine Nicht-Teilnahme an der Klassenfahrt aus wirtschaftlichen Gründen würde verhindert. Auch im Sinne der Gerechtigkeit müsse man fordern, dass stärkere Schultern mehr tragen, die Maßnahme sei leicht und anonym durchzuführen, da jede Schule über Formulare das Gehalt der Eltern erfassen könne und die Eltern dann prozentual zu ihrem Gehalt einen „fairen“ Beitrag für die Klassenfahrt entrichteten.

Das ist ja eine schräge Sache, dachte sich die Contra-Seite und argumentierte also: erstens gäbe es bereits Zuschüsse und Fördermittel, die müsse man nur beantragen und ausschöpfen, zweitens würde unser Steuersystem doch schon genügend Gerechtigkeit und Nivellierung herstellen. Sollten etwa diejenigen, die für ihre Leistung besser bezahlt werden auch im Supermarkt für denselben Einkaufskorb mehr bezahlen? „Soziale Marktwirtschaft heißt Wettbewerb, wir leben doch nicht in der Planwirtschaft.“ Und überhaupt, stelle sich die Frage nach der  Datensicherheit bei der Erhebung der Gehaltsdaten. Man glaube nicht, dass eine Geheimhaltung möglich sei – diese Maßnahme führe gewiss dazu, dass von Armut betroffene Schüler bloßgestellt und zu Neid auf die anderen angestachelt würden.

Die Juroren schließlich, Herr Rech und Herr Marxsen, waren von dieser Debatte nicht angetan.  In der Sache wurde zu wenig Substanz geliefert. (Festlegung eines Höchstbetrages für Klassenfahrten obliegt der Schule: Gremien dafür sind Konferenzen, Schulausschuss, Schulelternbeirat, SV -  - Förderverein der Schule, Einnahmen aus Schulfesten, Schulträger können Kosten übernehmen - Landesverordnung zu Klassenfahrten geben Rahmen vor - SGB  zu Klassenfahrten :  Eltern/Erziehungsberechtigte, die auf Grund von geringem Verdienst Hartz IV erhalten, haben Anspruch auf Übernahme von Klassen - Kursfahrtkosten durch den Staat - Bildungsauftrag der Schule: wieviel sollte Bildung/Bildungsreise wert sein  etc .etc.)

Zweite Debatte:  Sollen alle weiterführenden öffentlichen Schulen bis Klasse 10 Gemeinschaftsschulen werden?

Ganz anders verlief die zweite Debatte, leider vor sehr wenigen Gästen!

Die Pro-Seite richtete zunächst das Augenmerk auf die Vorteile der Gemein-schaftsschule (GMS): die GMS könne von der Struktur her besser differenzieren und damit allen Schülern gerechter werden. In vielen Fächern ließen sich unterschiedliche Niveau-Stufen einrichten. Selbstverständlich bräuchte man hier mehr Lehrkräfte für kleinere Klassen, also mehr Geld, damit die GMS nicht misslinge. Zugegeben, in Amerika sei die GMS keine gute Schule, der Grund dafür liege aber nur darin, dass öffentliche Schulen dort unterfinanziert seien. Die GMS ermögliche im Übrigen auch Einsparpotentiale, wenn Schulen (Gymnasium, Real- und Hauptschule) zusammengelegt würden.

Auch die Nachteile des dreigliedrigen Schulsystems wurden von der Pro-Seite  deutlich angesprochen: schon in der Grundschule, „einem System der Unterdrückung“,  beginne der Leistungsdruck,  denn ein großer Teil der Schüler des dreigliedrigen Schulsystems hätte keine Chancen in ihrem späteren Leben, denn wer stelle heute denn noch Nicht-Abiturienten ein? Schluss solle sein mit dem „Akademikerzwang“!

Die Contra-Seite ließ sich nicht lumpen und parierte mit vielen Gegen-Argumenten: offensichtlich sei doch nach den letzten vergleichenden Bildungs-studien, dass das dreigliedrige Schulsystem besser abschneide als die Bundes-länder mit Tendenz zur GMS; das dreigliedrige Schulsystem habe sich bewährt, führe zur Wettbewerbsfähigkeit und zum Erfolg. Die GMS sei nun irgendetwas, aber nicht wirklich leistungsorientiert, das könne man nach einem Jahr Aufenthalt in Amerika aus eigener Erfahrung belegen; hier gäbe es eine Zweiklassengesellschaft in der Bildung: die wenig erfolgreiche GMS  und die hoch gepriesene, aber teure Privatschule, vier Milliarden Dollar Eigenbeitrag von den Reichen für ihre Kinder, sei das sozial? Wollten wir das auch für uns in Deutschland? Außerdem, es sei doch erwiesen, dass Schüler in homogenen Lerngruppen erfolgreicher lernen als in heterogenen, deshalb brauche man weiterhin das dreigliedrige Schulsystem, schließlich glaube man, dass der Realschüler, der  die Realschule erfolgreich abschließe, erfolgreicher sei als ein erfolgloser Gymnasiast.

Den Juroren  gefiel diese zweite Debatte sehr. Begeisterung, Schlagfertigkeit (im übertr. Sinne) und Sachwissen beeindruckten.  Kriterien der Bewertung für die Juroren waren neben dem Sachwissen Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Auch in diesen Punkten konnten die Debattanten überzeugen.

Und in dem Fall, dass einem Debattanten das passende Sachargument nicht gleich einfiel, gab es auch eine Lösung : „Das waren ja jetzt ganz schön viele Argumente auf einmal!“

Thomas Marxsen