Ziele des Unterrichts

Nach F. E. Weinert sind Kompetenzen „die bei Individuen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“ Diese Definition umfasst fachspezifische Kompetenzen („Fähigkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu lösen“) und Humankompetenzen („motivationale, volitionale und soziale Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“). Da diese Definition bei den fachspezifischen Kompetenzen kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Mittelpunkt stellt, muss sie für den ästhetisch-künstlerischen Bereich um psycho-physische und imaginativ-kreative Aspekte erweitert und für das Fach Darstellendes Spiel konkretisiert werden. So lässt sich theaterästhetische Handlungskompetenz wie folgt definieren: Der Unterricht hat die Entwicklung einer umfassenden produktions- und rezeptionsorientierten theaterästhetischen Handlungskompetenz zum Ziel. Sie umfasst die auf die Fachinhalte bezogenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, szenische Gestaltungsaufgaben imaginativ und kreativ zu lösen (produktionsorientiert) und entstandene Lösungen zu reflektieren (rezeptionsorientiert). Theaterästhetisches Handeln kann nur im Verbund mit dem Erwerb von Humankompetenzen gelingen.    Methodisch-didaktische Konzeptualisierung    Gruppenarbeit ist die vorherrschende Sozialform des Unterrichts im Fach Darstellendes Spiel. Sie ist gekennzeichnet durch die Aufteilung der gesamten Lerngruppe in Kleingruppen, die zielgerichtet selbstgestellte oder durch die Lehrkraft vermittelte Gestaltungsaufgaben bearbeiten und ihre Arbeitsergebnisse in einer Präsentation für den gesamten Kurs fruchtbar machen. Gruppenarbeit muss deswegen die vorherrschende Arbeitsform im Darstellenden Spiel sein, da Theaterspielen in aller Regel nicht solistisch, sondern im Verbund einer Gruppe stattfindet. Theaterspielen ist Ensemblearbeit. Zudem ist eine Gruppe - eher als Einzelpersonen - dazu in der Lage, bei kreativen Gestaltungsaufgaben auf dem Weg über das Improvisieren und Experimentieren zu verschiedenen, alternativen Lösungen zu kommen, z. B. bei der Entwicklung und Umsetzung von Spielideen, bei der Besetzung und Ausgestaltung von Rollen. Gruppenarbeit fördert Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler sowie wichtige soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kooperationsbereitschaft und kommunikative Fähigkeiten. Im Unterschied zu anderen Fächern gibt es bei der Gruppenarbeit im Fach Darstellendes Spiel keine Trennung zwischen dem gestaltenden Subjekt und dem gestalteten Gegenstand. Die gestaltenden Schülerinnen und Schüler sind gleichzeitig das Medium ihrer Gestaltung, indem sie als Spielerinnen und Spieler ihre Spielidee in eigener Person umsetzen. Das bedeutet für sie, dass sie wesentlich stärker subjektiv mit allen Facetten ihrer Persönlichkeit in die Arbeit eingebunden ist und dass die Mitglieder einer Gruppe also in besonderer Weise aufeinander bezogen und auf die einfühlsame Zusammenarbeit und Sensibilität der Mitspielerinnen und Mitspieler angewiesen sind. Besondere Bedeutung gewinnt diese Tatsache bei der Präsentation der Arbeitsergebnisse:

  • Die Präsentation kann nur durch die Gruppe selbst erfolgen, eine Abtrennung des Produkts von den Produzierenden, die gleichzeitig als gestaltendes Medium fungieren, ist nicht möglich.
  • Die Präsentation findet in der Regel durch die ganze Gruppe, nur im Ausnahmefall durch ein Einzelmitglied statt.
  • Die Präsentation erfordert, dass jedes einzelne Ensemblemitglied personal, zeitlich und räumlich präsent sein muss.
  • Einzelleistungen können nicht losgelöst vom Ensemble erbracht werden. Das Ensemble kann umgekehrt auf keine der Einzelleistungen verzichten. Auch eine Bewertung des Einzelnen kann nur im Kontext der Ensembleleistung erfolgen.
  • Einzelleistung und Ensembleleistung stehen in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis, da jede Änderung im Spiel eines Einzelnen unmittelbare Auswirkungen auf das Spiel der anderen Ensemblemitglieder hat.
  • Während des Zuschauens und bei der Anschlusskommunikation müssen sich auch die Zuschauenden in besonders sensibler Weise der Tatsache bewusst sein, dass die präsentierenden Schülerinnen und Schüler mit der Präsentation ihres Arbeitsergebnisses auch sich selbst als gestaltendes Medium präsentieren. Gruppenarbeit als Regelform des Unterrichts bedeutet für die Lehrerinnen und Lehrer:
  • Sie müssen für eine vertrauensvolle Atmosphäre zwischen Lehrendem und Lernenden und zwischen den Lernenden untereinander sorgen.
  • Sie müssen befähigt sein, Gruppen sinnvoll zusammenzustellen, Gruppenprozesse zu durchschauen, Störungen zu erkennen und gegebenenfalls konstruktiv mit ihnen umzugehen.
  • Sie müssen Aufgabenstellungen finden, die sowohl der Gruppe als Ensemble als auch den Einzelmitgliedern in ihrer Individualität gerecht werden und allen kreative Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen.
  • Sie müssen in der Lage sein, die Arbeitsprozesse der Gruppen als Helfer und Ratgeber zu begleiten, ohne selbst dominant zu werden.
  • Sie müssen bei der Leistungsbeurteilung die Leistung Einzelner im Kontext einer Ensembleleistung in fairer Weise isolieren können

Leistungsbewertung

  • je eine Kursarbeit pro Halbjahr ,
  • mündliche Mitarbeit, auch in der Gruppe, Hausarbeiten, Referate

 Zeitlicher Umfang

  • 3 Stunden pro Woche

Weitere Informationen

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