Ein Überrest der Berliner Mauer steht seit dem 12. November 2019 auf dem Schulhof. Das Mahnmal soll an den Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren erinnern. Innenminister Roger Lewentz weihte das Denkmal ein, das für Freiheit und Freizügigkeit in Deutschland stehen und an die Trennung in Ost und West erinnern soll. In einer Gedenkstunde hatten Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen zuvor an Stationen der Teilung erinnert, vom Bau der Bauer am 13. August 1961 über bescheidene Besuchsmöglichkeiten bis hin zu ihrem Fall am 9. November 1989.

RLZ-Artikel vom 14.11.2019



Das andere Leben - Zeitzeugen am Johannes Gymnasium

Oskar Schindler - Spielberg hat dem Mann, der gut 1300 Juden das Leben gerettet hat, in seinem Film „Schindlers Liste“ ein Denkmal gesetzt. Welche Rolle seine Ehefrau Emilie spielte erfuhren jetzt Schülerinnen und Schüler des Johannes-Gymnasiums aus erster Hand: Zu Gast war Professor Erika Rosenberg, eine Freundin und die Biographin des Schindler-Paares. Anlass für diese und eine zweite Veranstaltung war auch, dass vor genau 70 Jahre - am 23. Mai 1949 - von zwölf Bundesländern das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet wurde. Diese Verfas-sung garantiert allen Bürgern Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit und andere de-mokratische Grundrechte.

70 Jahre Frieden, 70 Jahre Demokratie - angesichts der jüngsten Entwicklungen in Europa zeigt sich, dass dieses hohe Gut und Recht immer wieder erarbeitet und verteidigt werden muss. Dass dabei ein Blick in die dunkelste Zeit der deutschen Vergangenheit lohnt und unerlässlich ist, haben die Schülerinnen und Schüler des Johannes-Gymnasiums erlebt. Zwei Veranstaltungen, die unterschiedlicher nicht hätten sein kön-nen und beide gleichermaßen tiefe Eindrücke hinterließen, zu einem Thema, das nie-mals in Vergessenheit geraten darf, standen auf dem Stundenplan.
Spätestens seit „Schindlers Liste“ weiß die Welt, dass es in der Zeit des Nationalsozialis-mus immer wieder auch Menschen gab, die jüdische Mitmenschen vor den Gaskammern und dem sicheren Tod retteten. Professor Erika Rosenberg weiß wie keine zweite, was wirklich damals passiert ist: Sie ist eine Freundin und die Biographin von Oskar und des-sen Ehefrau Emilie Schindler. Rosenberg wurde 1951 als Tochter jüdischer Eltern in Bu-enos Aires geboren - sie waren schon 1936 emigriert. Argentinien war auch für die Schindlers (und viele ehemalige Nazigrößen) nach dem Krieg der Fluchtpunkt - für eine Einreise in die USA fehlte schlicht das Geld.

„Ich habe Emilie Schindler 1990 kennengelernt und wir waren bis zu ihrem Tod 2001 eng befreundet“, erzählt Rosenberg den gebannt zuhörenden Schülerinnen und Schü-lern. Mit leiser Stimme, langsam, aber sehr bestimmt, berichtet sie von Emilies Leben in ihrem Elternhaus, der Begegnung mit dem charmanten Oskar, der Hochzeit und den Ereignissen während der Nazizeit: „Emilie litt an Oskar, seinen ständig wechselnden Ge-liebten, seinem Umgang mit Geld - er liebte schöne Autos und hatte dafür auch ihre nicht unerhebliche Mitgift verprasst.“ Aber sie liebte ihn - „Er war großzügig, gutmütig und barmherzig und völlig unreif“ -, und auch das machte Rosenberg klar: „Wenn es etwas zu besprechen gab, wenn es Probleme gab, dann kam Oskar zuerst zu Emilie.“ Emilie war es, die auf dem Schwarzmarkt verhandelte, die die Erlaubnis zur Verlegung der Fabrik nach Brünnlitz besorgte und dafür, dass die jüdischen Arbeiter dorthin „mitziehen“ konn-ten, was ihnen das Leben rettete. Emilie hasste die Nazis, sie und Oskar mussten aber mit SS-Größen und beispielsweise dem Kommandanten des Konzentrationslagers Pla-schow auskommen: „Amon Götz war ein Schlächter, der abscheulichste Mensch“, den Emilie in ihrem Leben kennengelernt hatte. Doch ohne diese Kontakte, die gesellschaft-lichen „Verpflichtungen“, hätten die Schindlers „ihre“ Arbeiter nicht durchbringen kön-nen.

Dass Emilie in dem Spielberg-Film so gut wie nicht vorkommt, schmerzte sie bis zu ihrem Tod. Erika Rosenberg als einer ihrer Erben hat sie die ganze Geschichte erzählt. Rosen-berg selbst hat in den 20 Jahren dieser engen Freundschaft Emilie auf ihren Reisen und bei den Begegnungen mit den überlebenden Menschen, die auf Schindlers Liste standen,  begleitet. „Lieben – unsere Mitmenschen – und kämpfen“ war Emilies Lebensmotto.
„Frieden ist der einzige Weg“, gibt Erika Rosenberg den Schülern schließlich nach mehr als zwei Stunden mit auf den Weg.
„Den Mitmenschen so lassen, wie er ist. Es ist das großartigste an unserer Demokratie, dass jeder von uns anders ist und andere Antworten auf drängende Fragen hat. Es ist deshalb so wichtig, zuzuhören“, appelliert ein paar Tage später an gleicher Stelle Thomas Darchinger an seine jugendlichen Zuhörer zwischen 14 und 19 Jahren. Der aus Theater, Film und Fernsehen bekannte Schauspieler liest – musikalisch einfühlsam be-gleitet von dem Vibraphonisten und Jazz-Musiker Wolfgang Lackerschmid – aus dem Buch „Das andere Leben“, der Geschichte des Holocaust-Überlebenden Solly Ganor.

Lesen? Darchinger lässt Solly, der zu Beginn des Krieges gerade mal 13 Jahre alt ist, und alle anderen „Protagonisten“ lebendig werden: mit all ihren Gefühlen, Stimmungen, Ängsten, Träumen und ihrer Hoffnungslosigkeit. Er zieht seine Zuhörer mit in die Geschichte, sie finden sich im Lager und den Barracken wieder, spüren förmliche die Kälte des Winters und der Lagerkommandanten – „Du faules Schwein, du nichtsnutziger ver-lauster Jude, zack, zack“ –, sehen das Grauen, wenn Menschen bei lebendigem Leib „einzementiert“ werden – „ich dachte, es könnte nicht schlimmer kommen, aber da ging immer noch mehr“ (Solly Ganor) –, leiden mit Solly bei Kriegsende im eiskalten und schneereichen April 1945 auf dem Marsch von tausenden erschöpften und halb ver-hungerten Häftlingen, die von den Nazis aus dem KZ Dachau ins Ungewisse getrieben wurden. Darchinger und Lackerschmid gönnen den Zuhörern kleine Atempausen: Kleine Lichtblicke in all dem Grauen, wenn Solly sich im Wald versteckt, wenn unverhofft eine Kartoffel den Hunger stillt, wenn es gelingt, die Lagerkapos zu überlisten oder wenn Solly dank einer Packung Zigaretten seinem kranken Vater einen etwas leichteren Lagerdienst verschaffen kann.
Das Aufatmen ist hörbar, als Solly schließlich eher „zufällig“ den Todesmarsch überlebt  und dann auch noch seinen Vater wiederfindet: „Wir hielten uns bloß fest und weinten. So wie wir uns sehr langsam und mit leichter Kost wieder ans Essen gewöhnen mussten, genauso konnten wir auch die Vorstellung eines Lebens außerhalb der Lager nur langsam verdauen.“
Langsam kommen auch die Johnny-Schüler – wie vor ihnen schon 70 000 andere Jugendliche – wieder im Jetzt an. „Wir leben in einer freiheitlichen Demokratie, dürfen unsere Meinung sagen, ohne dafür umgebracht zu werden. Es ist ein Recht und dieses Recht müssen wir und ihr auch wirklich ausüben“, mahnt Thomas Darchinger an. Dazu gehöre es auch, sich umfassend zu informieren und „noch einmal, dem anderen zuzuhören und nicht der Verkünder einer Meinung zu sein“.
„Das andere Leben“ - zwei bedrückend eindrucksvolle, künstlerisch hervorragende und nachhaltig wirkende Stunden Zeitgeschichte.

- Michaela Rothenberg-Kieffer -




Gegen das Vergessen: 80 Jahre Reichsprogromnacht

Aus Anlass der Reichspogromnacht vor 80 Jahren stellten Geschichtslehrerin Julia Ernst und ihr Grundkurs 13 am 9. November 2018 eine Präsentation zur Reichspogromnacht (9.11.1938) zusammen. Auf den Stellwänden im Glasgang erinnerten die Schautafeln an die Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung im nationalsozialistischen Deutschland. Der Schulleiter initiierte um 10:00 Uhr eine Schweigeminute in der Schule über den Lautsprecher.




Die Stadt Nürnberg und die deutsche Geschichte

Geschichte vor Ort: In Nürnberg konnten sich die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte der Jahrgangsstufe 13 im Februar 2018 ein Bild vom Größenwahn nationalsozialistischer Planung machen. Das ehemalige Reichsparteitagsgelände war eine Station einer viertägigen Studienfahrt.