Bisher haben wir viele schöne Flecken von Stockholm gesehen, sind vorbeigeschlendert an den schönen Vierteln, an vollen Bars und Straßenkaffees. Menschen im Kaufrausch. Hier ein Eis, da einen Caffe Latte,... unweit unseres Hostels legt jeden Abend ein DJ in einer In-Kneipe am Fuße des Stadtteils Östermalm auf und auf den Schiffen im Hafen ist immer was los. Hier versammeln sich jene, die es in Stockholm zu etwas gebracht haben. Doch kaum 20 Minuten weiter nördlich des pulsierenden Zentrums bietet sich ein anderes Stockholm. Eines, das man nicht aus den Reiseführern kennt. Wir sind jedoch darauf vorbereitet. Die Führung übernehmen Laura und David, die uns bereits in einem Vortrag vor der Exkursion über die geteilte Stadt Stockholm berichtet haben. Je weiter uns die Tunnelbana vom Zentrum wegbringt, desto stärker verändert sich die Gesellschaft im Abteil. Immer mehr ausländisch-stämmige Menschen steigen zu. "Nächste Haltestelle müssen wir raus", stimmt David die Gruppe ein. Husby heißt sie, jene Haltestelle, die unser Bild von Stockholm nachhaltig verändern wird. Es geht die Rolltreppe hinauf und aus der Haltestation hinaus. Uns fallen direkt große Mehrfamilienhäuser bzw. Mietskaseren auf. Nicht schön, aber pragmatisch sind sie, diese Plattenbauten. Eine Pinnwand zeigt nun endgültig, dass hier schwedisch ggf. nur die Zweitsprache ist. Es besteht eine gewisse Scheu: Können wir das wirklich machen? Hier durch laufen wie Touristen? Doch halt! Letztlich sind wir genau das in erster Linie nicht. Wir wollen was lernen, nämlich wie innerstädtische Segregation in der Realität aussieht. Mit jedem Schritt durch die Viertel wird sie augescheinlicher, wenngleich Marie das alles gar nicht so schlimm findet: "Ich habe mir das schmutziger, verlebter und anders vorgestellt". Ziel erreicht, denke ich mir als Lehrer und füge hinzu, dass Segregation ja nicht zwangläufig Kriminalität bedeutet. Der Blick auf die Klingel- und Briefkastenschilder schafft dann etwas mehr Klarheit, denn es gibt kaum bzw. gar keine (vermeindlich) schwedische Namen zu lesen. Vielmehr überwiegen afrikanische und arabische Namen. Unsere Begegnugen auf den Straßen bestätigen dies. Auch wenn sich ein Kunstobjekt am Zentralplatz von Husby eindrucksvoll für die Vielfalt des Viertels ausspricht (öppet fór ala = offen für alle), so sind sie hier doch scheinbar unter sich - die nichtstämmigen Schweden, sie segregieren sich oder werden segregiert - so genau hinterfragen wir das nicht. Wir steigen also wieder in den Zug Richtung Zentrum ein, suchen nun ein krasses Gegenteil. Doch wir müssen uns befragen. Ein Stockholmer auf seinem Fahrrad orientiert uns und schickt uns genau dort hin, wo Stockholm gerade besonders pulsiert. Hipster und Yupies sind jene, die in Södermalm aktuell Einzug halten. Ein besonderer, ein aufregender Lebensstil, der die Menschen magisch anzieht. Neben Künstlern und Studenten finden sich auch besonders viele Szenekneipen, Straßenkaffees und Second-Hand-Läden, die ihrereseits den jungen Modelabels in ihren kleinen Boutiquen keinerlei Konkurrenz bereiten. Und doch wird es vorhersehbar so nicht bleiben. David klärt über den erwartbaren geographischen Sachverhalt auf und sieht im Prozess der Gentrification vollzieht, welche das Viertel für viele Stockholmer (besonders für jene die es so hip gemacht haben) nicht mehr lange erschwinglich macht. Nach und nach wird er einsetzen, der Verdrängungsprozess, bis ein neues Viertel vor der Wiederbelebung steht. So zeigt sich Stockholm als ein ausgesprochen gutes Anschauungsbeispiel. Die Exkursion hat damit ihre inhaltlichen Ziele erreicht. Es wird auch Zeit... .

Wir sind jetzt doch alle von den sechs Tagen geschafft. Beim Italiener in Gamla Stan lassen wir die Exkursion ausklingen. Wir erinnern uns, an unsere Erlebnisse in Kiruna und Stockholm. Bewerten und kritisieren, reflektieren und planen. Dem Kellner verweigern wir am Ende aber bewusst das Trinkgeld - dafür waren Pizzen und Salate zu schlecht, einfach ganz ohne Amore. Verliebt haben wir uns trotzdem. Land und Leute haben uns beeindruckt. Tschüss Schweden, wir sehen uns sicher wieder!

- Frederick Fisher -

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