1 Unsere Fachschaft Griechisch

 

 (v.l.: Herr Dr. Oehl, Frau Schmitz, Herr Brink, Herr Marxsen)

 

2 Unsere Sicht des Faches Griechisch

„Lernt Griechisch ..., damit ihr, wenn ihr die Philosophen, die Theologen, die Geschichtsschreiber, die Redner, die Dichter lest, bis zur Sache selbst vordringt,  nicht ihre Schatten umarmt …“ (d.h. Lernt Griechisch..., damit ihr die Dinge nicht nur oberflächlich betrachtet.)  „Lernt Griechisch...“ verlangte der Humanist Melanchthon von allen, die studieren wollten. Denn die Beschäftigung mit der griechischen Sprache, Kultur und Literatur führt zu den Quellen (´ad fontes`) unserer Kultur; hier geht es um die wesentlichen Fragen nach dem Menschen und der ganzen Fülle menschlicher Möglichkeiten. Die Begegnung griechischen Denkens mit christlicher Theologie prägt unsere heutige europäische Identität. Das wird auch an unseren Erziehungs- und Bildungsidealen deutlich:

Die griechischen Denker forderten  ganzheitliche Bildung (mens sana in corpore sano), ästhetische Erziehung (Sprachen und Philosophie, im weiteren Sinne gehören auch die musischen Fächer Darstellendes Spiel, Kunst und Musik dazu – in Platons Staat beginnt die Bildung mit letzterer), in Anlehnung an Aristoteles schließlich das Studium der Naturwissenschaften (Physikon)  und nicht zuletzt die politische Erziehung und die Schulung in Rhetorik (Protreptikon – vgl. heutige Schulfächer: Geschichte,  Sozialkunde,  Religion,  Philosophie).

Schon unter Kleisthenes (508/507 v. Chr.) inspirierte die politische Erziehung die Diskussion um die Rechte und Pflichten eines Staatsbürgers.  Schließlich garantierte die demokratische Verfassung Athens die ´Isonomia` ,d.h. die Gleichheit vor dem Gesetz, die ´Isegoria` , d.h. das Recht auf freie Meinungsäußerung für jeden Bürger in und außerhalb von politischen Gremien und die ´Isokratia` , d.h. gleiche politische Partizipationsmöglichkeiten.  Der humanistische Bildungskanon ist aus unserer Lebenswirklichkeit nicht mehr wegzudenken. Beispiel: Die sokratische Skepsis (= vorbehaltlose kritische und methodische Prüfung eines Sachverhaltes) ist nach wie vor Grundlage allen wissenschaftlichen Arbeitens.

Zusammen mit dem Programm der Aufklärung und dem Leitbild des Christentums zeigt das Griechentum die Werte der europäischen Identität auf. Mit diesem Hintergrund lassen sich manche Fragen fundiert beantworten: Ein aktuelles Beispiel: http://www.bild.de/politik/inland/angela-merkel/der-islam-gehoert-zu-deutschland-39442550.bild.html 

Projekte

Fächerverbindende Unterrichtseinheit (Latein-Griechisch-Philosophie-Bildende Kunst)

Die Texte, die wir im Unterricht der Alten Sprachen, insbesondere im Fach Griechisch erarbeiten, sind Grundlagentexte unserer abendländischen Kultur; sie stellen die zeitlosen Grundfragen, die unsere abendländische Literatur, Kunst,  Wissenschaft und Philosophie immer wieder neu zu beantworten suchen . Von daher hat der Unterricht in den Alten Sprachen ständig die spannende Rezeptionsgeschichte griechischer bzw. lateinischer Texte im Blick. Die folgende fächerverbindende Unterrichtseinheit (Latein-Griechisch-Philosophie-Bildende Kunst) kann das verdeutlichen. Sie ist in einem Leistungskurs Latein durchgeführt worden, daher liegt hier der Schwerpunkt auf dem Fach Latein. 

Am Anfang stand die Frage, was das Wesen einer narzisstischen Persönlichkeit ausmacht. Und im Weiteren: Welche Ereignisse in der Biographie (und Zeitgeschichte) eines Menschen fördern den Narzissmus? Welche Folgen wird die narzisstische Haltung für die soziale Gemeinschaft haben? Gibt es eine Heilung vom Narzissmus?  Für die Beantwortung und Diskussion dieser Fragen lag  in der folgenden Unterrichtseinheit eine optimale Auswahl an Texten  (Pausanias, Ovid, Platon, S.Freud, E. Hemingway) vor. Die Schüler brachten  ihre Beobachtungen aus der Rezeptionsgeschichte (insbesondere aus der Kunstgeschichte, siehe Powerpoint-Präsentation) mit ein.  Das Medium Bild erschließt sowohl dem Künstler als auch dem Betrachter (Schüler) einen neuen und lebendigen Zugang zum Mythos. Dabei wird die Zeit- und Lebensgeschichte von Künstler und Betrachter mit eingebracht. Hier: Die spannende Frage  ist, welche Gestalt hat der (Proto-) Typ Narcissus (oder Echo) zu anderen Zeiten und auch heute ... ?  Beispiel: In Ovids  Narcissus-Erzählung wird geschildert wie die Begegnung der Nymphe Echo mit Narcissus in einer Katastrophe endet. Der Künstler David Revoy hat im Jahre 2006 diese Begegnung in das 21.Jahrhundert ´übersetzt`: http://www.davidrevoy.com/article206/narcissus-echo 

Powerpoint-Präsentation  Fächerverbindendes Projekt zum Thema "Vom Mythos zum Logos" (Schuljahr 2013/14)