Ausgangssituation

 "Chemie" - meist negativ bewertet - begegnet uns in allen Lebensbereichen. Wasserverschmutzung, Altlasten im Boden, chemische Rückstände in Nahrungsmitteln, Arzneimittel mit Nebenwirkungen, belastete Raumluft, ... : Die Liste ließe sich fast unbegrenzt verlängern. Das Image der Chemie ist ziemlich schlecht. Die Mehrheit der Bevölkerung setzt statt dessen auf "Natur", "Bio" und "Öko" - oder ist gleichgültig und hat es völlig aufgegeben, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Die gewaltigen positiven Auswirkungen auf menschliche Lebensqualität, die erst durch Kenntnisse chemischer Prozesse und Zusammenhänge möglich werden, geraten dabei leicht aus dem Blick.

Diese Situation hat viele Gründe. Unvernünftiger, manchmal unverantwortlicher, Umgang von Industrieunternehmen aber auch von uns allen mit potentiell schädlichen Substanzen zählt dazu und gewiss auch Orientierungslosigkeit angesichts verwirrender und komplexer Wirkungszusammenhänge.

Vor diesem Hintergrund erhält die Vermittlung von Erkenntnissen und Methoden der chemischen Wissenschaft ihre Bedeutung für die Entwicklung von Alltagskompetenzen zur Beurteilung von Vor- und Nachteilen für die Verwendung von Stoffen oder Verfahren in Anwendungsbereichen von der Haushaltsreinigung über den Korrosionsschutz bis zur Kosmetik. Nur auf der Grundlage chemisch fundierter Kompetenzen ist eine rationale Bewertung von Risiken durch Gefahrstoffe aber auch von spezifischen Vorteilen etwa eines "Öko"-Produkts möglich.

Als christliche Schule wollen wir unsere Schüler zur kritischen, auf Fakten und wissenschaftlichen Methoden basierenden und unvoreingenommenen Beurteilung gesellschaftlicher Streitfragen befähigen und erziehen.

Unterrichtsziele

 Grundlage des Chemie-Unterrichts am Johannesgymnasium sind die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (Bildungsstandards-Chemie) und die einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Chemie (EPA-Chemie). Diese legen Mindestanforderungen für zu erwerbende Kompetenzen fest, die u.a. folgendes einschließen:

  • Kompetenzbereich Fachwissen (Fachkenntnisse)
  • - chemische Phänomene, Begriffe und Gesetzmäßigkeiten erkennen und Basiskonzepten (Stoff-Teilchen-Beziehungen, Struktur-Eigenschafts-Beziehungen,  chemische Reaktion, chemisches Gleichgewicht, Donator-Akzeptor-Konzept, energetische Betrachtung von Stoffumwandlungen) zuordnen;
  • - Kenntnisse über Merkmale, Verlauf und Bedingungsabhängigkeit chemischer Reaktionen anwenden;
  • Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung (Fachmethoden)
  • - chemische Experimente planen, durchführen, beobachten, beschreiben und auswerten;
  • - geeignete Modelle zur Beschreibung und Erklärung chemischer Sachverhalte anwenden;
  • -  Hypothesen bilden, Voraussagen formulieren und experimentell überprüfen;
  • - mathematische Verfahren und Hilfsmittel anwenden
  • - Computer zum Messen, zur Modellbildung, zur Berechnung oder zur Simulation nutzen;
  • Kompetenzbereich Kommunikation
  •  - Informationsquellen nutzen, Kernaussagen erkennen, Informationen gezielt und kritisch auswählen und mit erworbenem Wissen verknüpfen;
  • -  Fachtexte und grafische Darstellungen interpretieren und daraus Schlüsse ziehen;
  • -  chemische Sachverhalte unter angemessener Nutzung der Fachsprache beschreiben;
  • -  sachlogisch argumentieren und chemische Sachverhalte schlüssig begründen;
  • - chemische Sachverhalte und Erkenntnisse in unterschiedlicher Form, auch unter Nutzung von Medien, darstellen;
  • Kompetenzbereich Bewertung (Reflexion)
  • - chemische Sachverhalte in verschiedenen Kontexten erkennen und bewerten;
  • - die gesellschaftliche Relevanz  und Bedeutung der angewandten Chemie für die Ernährungssicherung, Energieversorgung, Werkstoffproduktion sowie in der Informations- und Biotechnologie erkennen und beschreiben;
  • - chemische Kenntnisse zur Erklärung von Lebensvorgängen und grundlegenden Aspekten der Geosphäre, Hydrosphäre, Biosphäre und Atmosphäre nutzen.

Chemie im Kontext anderer Fächer

So wie sich die Disziplin Chemie historisch in Wechselwirkung mit anderen Wissenschaften entwickelte, so bestehen auch zwischen dem Fach Chemie und anderen Fächern Wechselwirkungen, die wir am Johannesgymnasium betonen. Viele chemische Sachverhalte (u.a. chemisches Gleichgewicht, Reaktionsgeschwindigkeiten, Energiebeziehungen, Molekülgeometrie) lassen sich quantitativ beschreiben; dazu greift die Chemie auf mathematische Hilfsmittel und Methoden zurück.

Modelle und Gesetzmäßigkeiten in der Chemie lassen sich oft durch einfache physikalische Zusammenhänge (besonders durch die Wirkung von elektrischen Ladungen) erklären. Für das Verständnis biologischer Sachverhalte (Stoffwechsel, Zellaufbau, molekulare Grundlagen der Vererbung) werden Kenntnisse der Struktur und Eigenschaften chemischer Substanzen, besonders einiger Klassen von Makromolekülen, benötigt; insoweit hat Chemieunterricht eine Service-Funktion für das Fach Biologie.

Arbeitsplan

Den aktuellen Arbeitsplan erhalten Sie hier als pdf-Download.