Auf der kleinen Insel Giglio (Toskana, Italien) wurde 1988 ein Institut für Marine Biologie gegründet, welches Schüler, Studenten und anderen Gruppen in mehrtägigen oder wöchigen Kursen die Marine Biologie näherbringt. Je nach Kursdauer werden die Inhalte vertieft und verschiedene Themen näher erforscht. Der gut ausgearbeitete einwöchige Kurs ist ein für angehende Biologen und interessierte Biologieschüler interessant und empfehlenswert.

Zu Beginn des Kurses wird der Lebensraum Meer näher erläutert. Erwähnenswert ist die riesige Vielfalt der Lebensräume im Meer. Jeder kennt die im Pelagial schwimmenden Fische, doch nur die Wenigstens wissen, dass das Pelagos nur einen Teil des Ökosystem Meer ausmacht. Die meisten Lebewesen befinden sich gar nicht im Freiwasser sondern auf dem Benthal. Doch auch hier gibt es Unterschiede Sandgrund, primäre und sekundäre Hartböden, Fels und Feinsand  bilden einen Lebensraum für das artenreiche Benthos. Ist man nun über die verschiedenen Lebensräume informiert beginnt ein kleiner praktischer Teil.

Verschiedene Organismen werden zum Untersuchen vorgestellt. Die Aufgabe ist nun, mit Hilfe eines Binokulars und einiger Fachliteratur den zu untersuchenden Organismus zu bestimmen. Keine leichte Aufgabe für einen ungeübten Laien. Dank kurzer Einweisung kann jedoch die interessante Bestimmung  der Individuen beginnen. Auf den ersten Blick war es gar nicht so leicht ein Lebewesen zu bestimmen. Trotzdem konnten nach einiger Zeit einige Vertreter von Nesseltieren, Ringelwürmern, Stachelhäuter, Gliederfüßer und Schwämmen identifiziert werden. Den Umgang mit den Objekten und dem Material konnte man bereits nach kurzer Zeit erlernen und die Suche bereitete allen Teilnehmern große Freude. Nachdem die Arten bestimmt wurden, waren ein Paar kritische Fragen an der Tagesordnung. Wie atmen die Tiere, wie leben sie, können sie sich bewegen, wenn ja wie, was fressen sie, wo kann man sie finden usw.?  Auf der Suche nach den Antworten konnten viele Teilnehmer die Faszination an der Marinen Biologie nachvollziehen. Die Vielfalt der Antworten ist so erstaunlich und es gibt in der marinen Biologie auch noch viele Fragen, die nicht endgültig geklärt sind. So gibt es sessile Organismen, sie verbringen ihr Leben an einem festen Standort. Dann gibt es Organismen, die nur einen Teil ihres Lebens in diesem Zustand verbringen. Wieder andere benötigen Hilfe anderer Tiere. So sucht der Einsiedlerkrebs beispielsweise ein Haus für seinen Körper.

Weitere Organismen haben hingegen gar keine Mund. Sie können ihre Nahrung lediglich aus dem Wasser filtern. Aus diesem Grund nennt man sie auch Filtrierer. Neben ihnen gibt es noch die Tentakelfänger und Strudler. Sie alle haben ihren eigenen Weg gefunden die im Meer vorhandene Nahrung zu gewinnen. Außerdem kommt noch hinzu, dass die Tiere verschiedene Ernährungsquellen besitzen. Der Begriff Plankton ist vielleicht einigen bekannt. Doch wer wusste,  dass Plankton  alles im Meer Freischwimmende beinhaltet, welches in Bezug auf die Meeresströmungen keine Eigenbewegung aufweist. Hierzu zählt sogar der Mensch. Neben dem Plankton gibt es natürlich auch noch das Nekton, also Lebewesen, die es mit eigener Kraft schaffen im Meer fortzubewegen. Nachdem einige dieser Fragen geklärt waren, wurde der Ursprung der Nahrungsquellen weiter gesucht. Hierfür wurde eine kräftige Schaufel Sandboden in Strandnähe unter die Binokulare gelegt und schnell festgestellt, hier lebt ja was! Die Endofauna ist ein artenreicher Lebensraum, der eine große Nahrungsquelle für viele Epifauna Lebewesen bietet und den Anfang der Nahrungskette bildet. Die kleinen Organismen waren auf den ersten Blick nur sehr schwer zu erkennen und mit Hilfe des Binokulars wesentlich einfacher zu sehen. Es ist erstaunlich wie viel sich im Sediment abspielt. Doch nur im Labor die Organismen zu untersuchen erscheint einem schnell als sehr langweilig und künstlich. Ergänzend wurde eine geführte Schnorcheltour durchgeführt, welche es ermöglichte, die beobachteten Individuen und Merkmale live im Meer kennenzulernen. Abschließend lässt sich sagen, dass eine solche Woche einen ganz neuen Eindruck über das Meer auslöst und für jedermann zu empfehlen ist!

(Luca Brost, 2015)