Es gibt Momente im Leben, da wünscht man sich, die Zeit anhalten und das ganz besondere Gefühl dieses Augenblicks festhalten zu können. Den mehr als 50 jungen Musikern des Blasorchesters St. Johnny und ihrem Dirigenten Harald Weber mag es so gegangen sein. Noch bevor der letzte Ton verklungen war, hielt es die gut 1000 Konzertbesucher in der Stadthalle nicht mehr auf ihren Plätzen - mit "Standing Ovations" bedankten diese sich für einen wunderbaren Nachmittag voll herrlicher Melodien, der seinem Motto "Let me entertain you" mehr als gerecht geworden war.

In dem Applaus schwang auch der Respekt vor der großen Leistung und dem Engagement der jungen Menschen - allesamt Schüler beziehungsweise "Ehemalige" des Lahnsteiner Johannes - Gymnasiums - mit, die sich in unzähligen Probenstunden auf dieses Konzert vorbereitet hatten.

Dass diese die Arbeit wiederum nicht als Pflicht, sondern als Freude erleben, dass in diesem Orchester eine tolle Gemeinschaft und Harmonie herrscht, war auch in der Stadthalle zu spüren und vor allem zu hören. Da präsentierte sich hoch konzentriert ein gut aufeinander eingespieltes Ensemble, das selbst auf den kleinsten Hinweis seines "Chefs" Harald Weber reagierte. Ein ausgewogener Orchesterklang, bei dem das Schlagwerk trotz beachtlicher Größe (vier "Schlagzeuger" agieren immer wieder auch solistisch virtuos) nie herausfällt, nahm die Zuhörer vom ersten Ton an mit auf eine musikalische Reise durch die Rock-, Pop-, Musical- und Filmgeschichte.

Dass ein Blasorchester trotz einer erheblichen Menge "Blechs" auch leise und dynamisch differenziert spielen kann, bewies es nicht nur in der eröffnenden "Free World Fantasy", sondern ebenso bei so bekannten Hits wie "One moment in time", einem "Toto" - Medley oder "Leningrad". Sauber intoniert, präzise in den Übergängen sowie in Takt - und Rhythmuswechseln, genaue Akzentuierungen auch in den eher getragenen Teilen, dabei immer wieder schöne Soli und mitunter ein satter Big - Band - Sound - die St.  Johnnys unter Harald Weber präsentierten die ganze Bandbreite ihres Könnens.

Weltweit bekannt auch die Filmmusiken, die das Blasorchester darbot - auch wenn manche Musiker erst die sechste Klasse besuchen, so haben sie dennoch vor so großen Werken wie "Jesus Christ Superstar" oder "Spiderman" keine Berührungsängste. Da mögen die Harmonien noch so vertrackt, die Rhythmen und Taktwechsel noch so schwierig, die Dynamik noch so anspruchsvoll sein - alles wurde bravourös gemeistert. Beeindruckend besonders der saubere Einsatz bei "The day after tomorrow", der auf eine Einspielung über Band folgte. Beeindruckend auch - bei allen Stücken - die große Spielfreude und gute Laune der jungen Leute.  Wie sagte eine Schülerin auf dem Weg aus der Stadthalle: "Schade, ich hätte noch stundenlang zu hören können". Es gibt kein schöneres Kompliment - für die Musiker, für die Aktiven auch hinter den Kulissen und nicht zuletzt für ihre Schule.

Konzertmitschnitt