Darstellendes Spiel am Johannes Gymnasium

Mit Beginn des Schuljahres 2010/11 bietet das Johannes-Gymnasium das Fach Darstellendes Spiel in der Oberstufe als Grundfach an, das die Schüler/innen als Alternative zu den Fächern Musik oder Bildende Kunst belegen können. Dies geschieht in enger Kooperation mit der Städtischen Bühne Lahnstein, deren Intendant, Herr Friedhelm Hahn, auch Fachlehrer am Johannes-Gymnasium ist.

1 Unsere Fachschaft

Herr Weigand, Herr Hartleif, Herr Hahn







2 Unsere Sicht des Fachs Darstellendes Spiel

Darstellende Kunst trägt den existentiellen Ausdrucks- und Kommunikationsbedürfnissen von Menschen Rechnung. In allen Kulturen beinhaltet sie die körperlich-sinnliche und imaginative Aneignung von Welt mit den Mitteln des Theaters, bei der eine Auseinandersetzung mit der individuellen und gesellschaftlichen Wirklichkeit stattfindet und ihre potenzielle Veränderbarkeit erforscht wird. Dabei ermöglicht die symbolische Welt des Theaters vielfältige und kreative Weltentwürfe. Kommunikation durch und über Theater bewirkt Erkenntnisgewinn, der emanzipatorische Kräfte freisetzt. Das Fach Darstellendes Spiel gehört neben Kunst und Musik zu den Fächern, die einen ästhetisch-expressiven Modus der Weltbegegnung ermöglichen. In diesem Rahmen hat das Fach Darstellendes Spiel den besonderen Auftrag der theaterästhetischen Bildung im Bereich der Darstellenden Kunst, und zwar in produktionsästhetischer Hinsicht, d.h. in eigenen theatralen Gestaltungsprozessen, in rezeptionsästhetischer Hinsicht, d.h. in der Auseinandersetzung mit Werken der Theaterkunst sowie in wissenschaftspropädeutischer Hinsicht. Auf der produktionsästhetischen Ebene erforschen, deuten und reflektieren Schüler und Schülerinnen ihr Verständnis von sich selbst und der Welt, in der sie leben. Mit Mitteln der Darstellenden Künste werden Wirklichkeiten gespiegelt, in Frage gestellt, alternative Wirklichkeiten entworfen und gestaltet und Ergebnisse präsentiert.

  • Auf der rezeptionsästhetischen Ebene wird in der Auseinandersetzung mit eigenen theatralen Werken und auch mit Aufführungen professioneller Theater ein Diskurs angeregt, durch den Schülerinnen und Schüler die Erfahrung einer aktiven, kreativen Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Gegenwart gewinnen können.
  • Auf der wissenschaftspropädeutischen Ebene erwerben sie Orientierungswissen in Theatergeschichte und -theorie und reflektieren deren Bedeutung für das Theater der Gegenwart und für die eigene ästhetische Praxis.

Theatrale Darstellung ist die Kerndisziplin auch medial vermittelter Künste wie Kinofilm, Fernsehspiel und Hörspiel. Beschäftigung mit theatralen Darstellungsformen kann deshalb auch einen wesentlichen Beitrag zur Medienerziehung leisten. Theateraufführungen sind wie - Pop-Konzerte, Sportveranstaltungen und Shows aller Art – performative Ereignisse, die durch die gleichzeitige Anwesenheit von Akteuren und Zuschauern gekennzeichnet sind. Durch eigene Erfahrungen mit Interaktionen von Darstellern und Publikum bei Theateraufführungen lernen Schülerinnen und Schüler auch die Mechanismen kultureller Großveranstaltungen zu durchschauen und kritisch zu hinterfragen. Darstellendes Spiel leistet so auch einen Beitrag zur kulturellen Mündigkeit im Umgang mit solchen populären Veranstaltungsformen. In der Sekundarstufe II sind die Anforderungen des Faches an problemlösendes Denken, an das Denken in Modellen und symbolischen Zusammenhängen zudem wissenschaftspropädeutisch von zentraler Bedeutung und tragen wesentlich zur Studierfähigkeit bei.    Inhalte des Unterrichts    Theater beruht auf einer gesellschaftlichen Übereinkunft („Framing“ oder Rahmung) von Produzierenden und Rezipierenden, d.h. von Darstellern und Zuschauern, eine theatrale Handlung für die Dauer der Aufführung als eigene autonome Wirklichkeit anzuerkennen. Theater ereignet sich, indem Darsteller in einem theatralen Raum für eine begrenzte Zeit Rollen verkörpern und Zuschauer zuschauen. Ausgehend von dieser Grunddefinition sind die zentralen Fachinhalte die spezifischen Bedingungen und Möglichkeiten,

  • wie Bedeutung von den Produzierenden mit den Mitteln des Theaters konstituiert (kodiert) wird und während der Aufführung präsentiert und kommuniziert wird und
  • wie Bedeutung von den Rezipierenden während (oder auch nach) der Aufführung auf dem Hintergrund theaterästhetischer Erfahrung konstruiert (dekodiert) wird.

Damit wird klar, dass die von Seiten der Produzierenden intendierte Bedeutung nicht identisch sein muss mit der Deutung der Rezipierenden. Auf den Kern des Unterrichts bezogen ergeben sich folgende Inhalte:

  • Die theatralen Ausdrucksträger
  • Die Inszenierung als Prozess und Ergebnis theaterästhetischer Komposition
  • Die Aufführung als performatives Ereignis

3 Ziel des Unterrichts

Nach F. E. Weinert sind Kompetenzen „die bei Individuen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“ Diese Definition umfasst fachspezifische Kompetenzen („Fähigkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu lösen“) und Humankompetenzen („motivationale, volitionale und soziale Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“). Da diese Definition bei den fachspezifischen Kompetenzen kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Mittelpunkt stellt, muss sie für den ästhetisch-künstlerischen Bereich um psycho-physische und imaginativ-kreative Aspekte erweitert und für das Fach Darstellendes Spiel konkretisiert werden. So lässt sich theaterästhetische Handlungskompetenz wie folgt definieren: Der Unterricht hat die Entwicklung einer umfassenden produktions- und rezeptionsorientierten theaterästhetischen Handlungskompetenz zum Ziel. Sie umfasst die auf die Fachinhalte bezogenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, szenische Gestaltungsaufgaben imaginativ und kreativ zu lösen (produktionsorientiert) und entstandene Lösungen zu reflektieren (rezeptionsorientiert). Theaterästhetisches Handeln kann nur im Verbund mit dem Erwerb von Humankompetenzen gelingen.    Methodisch-didaktische Konzeptualisierung    Gruppenarbeit ist die vorherrschende Sozialform des Unterrichts im Fach Darstellendes Spiel. Sie ist gekennzeichnet durch die Aufteilung der gesamten Lerngruppe in Kleingruppen, die zielgerichtet selbstgestellte oder durch die Lehrkraft vermittelte Gestaltungsaufgaben bearbeiten und ihre Arbeitsergebnisse in einer Präsentation für den gesamten Kurs fruchtbar machen. Gruppenarbeit muss deswegen die vorherrschende Arbeitsform im Darstellenden Spiel sein, da Theaterspielen in aller Regel nicht solistisch, sondern im Verbund einer Gruppe stattfindet. Theaterspielen ist Ensemblearbeit. Zudem ist eine Gruppe - eher als Einzelpersonen - dazu in der Lage, bei kreativen Gestaltungsaufgaben auf dem Weg über das Improvisieren und Experimentieren zu verschiedenen, alternativen Lösungen zu kommen, z. B. bei der Entwicklung und Umsetzung von Spielideen, bei der Besetzung und Ausgestaltung von Rollen. Gruppenarbeit fördert Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler sowie wichtige soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kooperationsbereitschaft und kommunikative Fähigkeiten. Im Unterschied zu anderen Fächern gibt es bei der Gruppenarbeit im Fach Darstellendes Spiel keine Trennung zwischen dem gestaltenden Subjekt und dem gestalteten Gegenstand. Die gestaltenden Schülerinnen und Schüler sind gleichzeitig das Medium ihrer Gestaltung, indem sie als Spielerinnen und Spieler ihre Spielidee in eigener Person umsetzen. Das bedeutet für sie, dass sie wesentlich stärker subjektiv mit allen Facetten ihrer Persönlichkeit in die Arbeit eingebunden ist und dass die Mitglieder einer Gruppe also in besonderer Weise aufeinander bezogen und auf die einfühlsame Zusammenarbeit und Sensibilität der Mitspielerinnen und Mitspieler angewiesen sind. Besondere Bedeutung gewinnt diese Tatsache bei der Präsentation der Arbeitsergebnisse:

  • Die Präsentation kann nur durch die Gruppe selbst erfolgen, eine Abtrennung des Produkts von den Produzierenden, die gleichzeitig als gestaltendes Medium fungieren, ist nicht möglich.
  • Die Präsentation findet in der Regel durch die ganze Gruppe, nur im Ausnahmefall durch ein Einzelmitglied statt.
  • Die Präsentation erfordert, dass jedes einzelne Ensemblemitglied personal, zeitlich und räumlich präsent sein muss.
  • Einzelleistungen können nicht losgelöst vom Ensemble erbracht werden. Das Ensemble kann umgekehrt auf keine der Einzelleistungen verzichten. Auch eine Bewertung des Einzelnen kann nur im Kontext der Ensembleleistung erfolgen.
  • Einzelleistung und Ensembleleistung stehen in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis, da jede Änderung im Spiel eines Einzelnen unmittelbare Auswirkungen auf das Spiel der anderen Ensemblemitglieder hat.
  • Während des Zuschauens und bei der Anschlusskommunikation müssen sich auch die Zuschauenden in besonders sensibler Weise der Tatsache bewusst sein, dass die präsentierenden Schülerinnen und Schüler mit der Präsentation ihres Arbeitsergebnisses auch sich selbst als gestaltendes Medium präsentieren. Gruppenarbeit als Regelform des Unterrichts bedeutet für die Lehrerinnen und Lehrer:
  • Sie müssen für eine vertrauensvolle Atmosphäre zwischen Lehrendem und Lernenden und zwischen den Lernenden untereinander sorgen.
  • Sie müssen befähigt sein, Gruppen sinnvoll zusammenzustellen, Gruppenprozesse zu durchschauen, Störungen zu erkennen und gegebenenfalls konstruktiv mit ihnen umzugehen.
  • Sie müssen Aufgabenstellungen finden, die sowohl der Gruppe als Ensemble als auch den Einzelmitgliedern in ihrer Individualität gerecht werden und allen kreative Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen.
  • Sie müssen in der Lage sein, die Arbeitsprozesse der Gruppen als Helfer und Ratgeber zu begleiten, ohne selbst dominant zu werden.
  • Sie müssen bei der Leistungsbeurteilung die Leistung Einzelner im Kontext einer Ensembleleistung in fairer Weise isolieren können

4 Leistungsbewertung

  • je eine Kursarbeit pro Halbjahr ,
  • mündliche Mitarbeit, auch in der Gruppe, Hausarbeiten, Referate

  Zeitlicher Umfang

  • 3 Stunden pro Woche

5 Weitere Informationen  

  • Lehrplan  
  • Abituranforderungen (EPA)