„Für mich steht der Friedensgedanke in der EU ganz oben“, betont Roger Lewentz an diesem Morgen in seinem Vortrag in der Aula des Johannes-Gymnasiums Lahnstein immer wieder. Der rheinland-pfälzische Innenminister ist aus Anlass des Europatages, der jährlich am 09. Mai gefeiert wird, in die Schule gekommen, um mit den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 über seine Sicht von Europa zu sprechen und sich ihren Fragen zu stellen. „Als ich jung war, bin ich mit Interrail durch Europa gefahren. Damals gab es noch an jeder Grenze Passkontrollen, überall mussten wir Geld umtauschen“, erinnert sich Lewentz. Dieses Europa, das damals noch sehr auf die Nationalstaaten ausgerichtet war, gehörte für ihn eigentlich schon der Vergangenheit an – mit dem Erstarken der rechtspopulistischen Parteien aber scheint der europäische Gedanke der „27 Mitgliedsstaaten ohne Grenzen“ wieder geschwächt.Lewentz redet die Probleme nicht schön: „Für viele Menschen ist Europa anonym. Da kommen Gesetze aus Brüssel, die ihnen gefühlt immer nur etwas wegnehmen und alles regulieren wollen“.


Europa war zu lange verwaltungsmäßig organisiert, aber „man darf die kulturellen Identitäten der Völker nicht aus dem Blick verlieren. Die Menschen müssen sich vor Ort wiederfinden“. Als Ehemann einer Dänin weiß er, von was er spricht. Wichtige Dinge wie Rechts- oder Handelsfragen, wie Grenzsicherung oder die Einhaltung von demokratischen oder Menschenrechten müssen zentral geregelt werden. Ganz wichtig dabei: „Es sollte gerecht in Europa zugehen“. So wie die Mitgliedsstaaten füreinander einstehen, müssen sie sich auch an die geltenden Regeln halten, sonst gebe es Sanktionen. Was mit der Türkei sei, wollen die Schüler wissen. „Grundsätzlich ist es immer wichtig, genau hinzusehen und im Gespräch zu bleiben. Wenn 51 % der Türken für Erdogan und sein Präsidialsystem sind, dann sind immerhin 49 % für die Einhaltung der Demokratie, für Pressefreiheit und die Wahrung der Menschenrechte“. Und dann gibt es da noch ein grundsätzliches Problem: „Die EU hat einen Webfehler - sie ist auf Einstimmigkeit ausgelegt. Bei wichtigen Entscheidung müsste eine Mehrheitsentscheidung möglich sein, sonst tritt man auf der Stelle und es gibt keine Entwicklung“.  Es sind viele Themen, die die gut informierten Schüler an diesem Morgen anschneiden.  Griechenland, der Brexit, die große Zahl von Flüchtlingen, der Raketen-Angriff auf Syrien, die Strafzölle auf Aluminium und Stahl: „Die Welt ist insgesamt gerade sehr ungeordnet. Bedrohungen a la Trump sind unerträglich, die hohe Kunst der Politik ist es, miteinander zu reden, einander zuzuhören und Kompromisse zu finden“. Wer glaubt, als Einzelstaat im globalen System bestehen zu können, der irrt, ist sich Lewentz sicher. Aber von den „vereinigten Staaten von Europa“, wie Winston Churchill schon 1948 seine Vision formulierte, seien die Menschen auch heute emotional weit entfernt. Ganz konkrete Auswirkungen globaler Zusammenhänge lassen sich gerade auch in Rheinland-Pfalz beobachten: Viele Firmen leben davon davon, dass sie den Weltmarkt bedienen können,  „60 000 Angehörige der US-Army leben hier“. Arbeitsplätze könnten wegfallen, Existenzen bedroht sein. Und dann sind da auch noch all die Dinge, mit denen Jugendliche als „Global Player“ unterwegs sind: Wo kaufe ich ein? Meine Lebensmittel? Esse ich nur normgerechte Äpfel? Bestelle ich bei Amazon und lasse alles anliefern? Lewentz muss sich als Vater von vier Kindern täglich mit diesen Fragen auseinandersetzen. „Da steht jeder in der Verantwortung. Was wir hier tun, geht zu Lasten anderer Teile dieser Welt“, mahnt er. Er erinnert an Ruanda, Partnerland von Rheinland-Pfalz, und an die vielen Projekte, die den Menschen dort helfen, ein menschenwürdiges Leben in Eigenverantwortung zu führen. Eines – eine Aquaponik-Anlage, die im Sommer in der Partnerschule aufgebaut wird - nimmt er im Schulgarten des Johnny noch in Augenschein, bevor es zum nächsten Termin weitergeht. (mrk)      


 

Juniorwahl 2017

Anlässlich der am 24.09.2017 stattfindenden Bundestagswahl haben sich die Sozialkunde-Leistungskurse von Fr. Dr. Patricia Andres sowie Herrn Norbert Kalt (Jahrgangsstufen 11/12) dem Projekt "Juniorwahl" angenommen. Dabei handelt es sich um eine Initiative des Deutschen Bundestages sowie weiterer politischer Institutionen, um für Jugendliche das Thema "Wahlen und Demokratie" erlebbarer zu machen, indem sie die Wahlsituation authentisch nachvollziehen können.

In der Vorbereitung gestalteten die Leistungskurse daher Informationsplakate zu den wichtigsten politischen Inhalten und Zielvorhaben der politischen Parteien und stellten Wahlbenachrichtigungen für die Klassenstufen 9, 10 sowie die MSS 11, 12 und 13 aus. Wie im echten Leben eben. So mussten sich die Schülerinnen und Schüler im Wohllokal (Bibliothek) auch mit ihren Personal- oder Schülerausweisen ausweisen, bevor es in die Wahlkabinen und anschließend zur Wahlurne ging.

Das Ergebnis der Juniorwahl 2017 der wahlberechtigten Schülerschaft
Wahlberechtigte: 503 Schüler, Wahlbeteiligung: 90,3%

 

 



- 2. Platz beim Landeswettbewerb für politische Bildung 2016


„Flucht und Asyl“ lautete das Thema des Schülerwettbewerbs 2016, der von der Landeszentrale Rheinland-Pfalz für politische Bildung durchgeführt wurde. Am 28.Juni 2016 wurden im Frankfurter Hof in Mainz die Preise für die eingereichten Beiträge verliehen.

Sechzehn Schüler und Schülerinnen der Klasse 10c unter der Leitung von Herrn Thomas Kremer, konnten sich über einen zweiten Platz bei dem Wettbewerb freuen und erhielten neben der obligatorischen Urkunde auch einen Buchpreis. Die Jury würdigte besonders die methodische Vielfalt der Arbeiten. Ob Interview, Film oder Broschüre, bei allem überzeugte zudem die hohe fachliche Qualität (Bild: Klaus Benz).



Weitere Veranstaltungen des Fachbereichs Sozialkunde: