Was ist wirklich wichtig in der Erziehung und Bildung unserer Kinder? Eine Frage, auf die das Johannes-Gymnasium Lahnstein klare Antworten hat: Eine Erziehung für Frieden und weltweite Gerechtigkeit und die Wahrung der Schöpfung. Ziele, wie sie auch prägende Elemente und Anliegen der weltweit 11 000 Unesco-Projektschulen in rund 180 Ländern der Erde sind. Am Freitag, parallel zu seinem Schulfest, erhielt das „Johnny“ von Günter Kern, Staatssekretär im Innenministerium, und im Namen von Irina Bokowa aus der Zentrale der Unesco in Paris die Urkunde überreicht und ist damit als 18. Schule in Rheinland-Pfalz in diesen Kreis aufgenommen.

„Es war ein langer Weg“, berichtete Schulleiter Rudolf Loch rückblickend auf fünf Jahre von der Bewerbung bis zur Anerkennung als Unesco-Projektschule, der maßgeblich von seinem Kollegen Klaus Rech und seinem Team gesteuert worden sei. „Als wir uns als Kollegium näher mit der Fragestellung beschäftigten, fiel uns auf, dass die Anliegen der Unesco-Projektschulen deutliche Parallelen zu einer weltoffenen christlichen Schule aufzeigt. Viele unserer Aktivitäten zur sozialen und ökologischen Erziehung sind genau diesem Ziel verpflichtet“, sagte Loch und nannte Sozialpraktika, den schuleigenen Eine-Welt-Laden, den Schulgarten, die Bienen-AG, die Partnerschaft mit Ruanda, Austauschtage mit Frankreich und England, die Kooperation mit dem Verein Friedenskinder, Aktivitäten zur politischen Bildung und vieles mehr. „Wir wollen junge Menschen zu Weltbürgern erziehen, die einerseits ein Bewusstsein für ihre kulturelle Identität besitzen und andererseits diskursfähig und offen für die Begegnung mit der Welt und fremden Kulturen sind.“

„Weltbürgerschaft“ (Global Citizanship) definiert die Unesco übrigens als einen Gefühlsbegriff: „Weltbürgerschaft ist das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer großen menschlichen Gemeinschaft. Sie betont dabei insbesondere die wechselseitige politische, ökonomische, soziale und kulturelle Abhängigkeit und die Wechselwirkungen zwischen dem Lokalen, dem Nationalen und dem Globalen.“ Diese Abhängigkeiten, so Loch, spüre man in allen täglichen politischen Diskursen zur Digitalisierung und Globalisierung zur Flüchtlingskrise, der Friedenspolitik und der Klimakatastrophe. Daraus ergebe sich für ihn ein zentraler Zusammenhang zum christlichen Gebot der Nächstenliebe. Wobei man sich heute fragen müsse, wer in diesem globalisierten Kontext der „Nächste“ sei. Ihm, so bezog er Stellung, sei seine ruandische Patentochter, mit der er über Whatsapp kommuniziere, deutlich näher als beispielsweise ein Mensch, der direkt neben ihm stehe und bekennender AfD-Anhänger sei. „Nächstenliebe kennt keine Grenzen, mein Nächster ist stets der, der mich gerade braucht, unabhängig von seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seines Alters und Ansehens oder seiner sexuellen Orientierung“, sagte Loch vor vielen Gästen und Schülern der neunten Klassen, die sich noch vor den Sommerferien im Rahmen der Aktion Tagwerk wieder für Menschen in Ruanda engagieren werden. Und ganz aktuell ist eine Schülergruppe in Ruanda zu Gast, um in der Partnerschule, der ETP in Nyarurema, eine Aquaponik-Anlage aufzubauen.

Wie wichtig die Vermittlung all dieser Werte ist, betonte Staatssekretär Günter Kern, der auch die Grüße von Innenminister Roger Lewentz überbrachte. „Wir sehen dies aktuell ganz deutlich: In der Erstarkung des Rechtspopulismus, der für uns ein alarmierendes Signal ist“, sagte Kern und nannte das Auseinanderdriften der Staatengemeinschaften, bei dem der Egoismus ganz klar im Vordergrund stehe. „Unsere Kinder werden sich diesen Herausforderungen stellen müssen“, und „ich weiß, dass sich der Geist und die Zeile der Unesco-Projektschulen am Johannes-Gymnasium wiederfinden.“

Nach Video-Botschaften und Grüßen aus der Partnerschule in Ruanda, wo mithilfe aus Lahnstein 2019 der Bau einer Ausbildungshalle für Kfz-Mechantroniker entstehen soll, aus Pakistan, wo das Johnny gemeinsam mit der Organisation Friedenskinder eine Schule unterstützt, und dem Collège St. Etienne in Châlons-en-Champagne (Frankreich), zu dem bereits seit 1954 eine Partnerschaft besteht, wurde übergeleitet zum Schulfest, bei dem sich Schüler und Schule vielen Gästen präsentierten.

RZ Rhein-Lahn-Kreis (West) Bad Ems vom Montag, 11. Juni 2018, Seite 21 Eine Fotoserie zur Feier können Sie hier einsehen.

Ausstellung: "Gut behütet - mein Weltkulturerbe" (2018)


Unser Profil als Unescoprojektschule


Christliches Menschenbild

Auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes bekennen wir uns zu einer werteorientierten Erziehung. Es ist uns wichtig, unsere Schülerinnen und Schüler für Menschen in Not zu sensibilisieren und solidarisches Handeln mit ihnen einzuüben (z.B. im verpflichtenden Sozialpraktikum, in der AG Generationentreff oder Streitschlichter AG, beim Integrationscup oder den Integrativen Kunsttagen). Den schonenden Umgang mit der Natur, Gottes Schöpfung, fordern wir ein und zeigen Wege zu umweltgerechtem Verhalten (Modellschule ökologisch profilierter Schulen) ebenso wie den solidarischen Einsatz für Gerechtigkeit in der einen Welt (Eine-Welt-Laden, Friedenskinder e.V.,  Aktion Tagwerk, Ruanda-Projekt).

Hierzu passt, dass wir 2011 in das nationale Netz der interessierten Unesco-Projektschulen aufgenommen wurden. 2014 erhielten wir die Auszeichnung als "mitarbeitende UNESCO-Projektschule". Alle drei Jahre veranstalten wir u.a. zu einem Unesco-Thema mehrtägige Projekttage (zuletzt 2013 zum Thema "Die Johanniskirche und das Weltkulturerbe Mittelrhein".)

Verantwortliche Lehrkräfte für die UNESCO-Projektarbeit sind Herr Klaus Rech und Herr Dr. Martin Hübner.


Was ist eine UNESCO-Projektschule?

Eine UNESCO-Projektschule ist eine Schule, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ziele der UNESCO zu unterstützen, sowie in schulischen als auch außerschulischen Bereichen. Ebenso muss sie sich ständig an dem UNESCO-Schulnetz beteiligen.

An folgenden Grundsätzen hält sich eine UNESCO-Projektschule:


• Sie schaffen ein Grenzen überwindendes Netzwerk von Schulen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen  Schul- und Kultusbehörden.
• Das Schulleben gestalten sie im Sinne der internationalen Verständigung und des interkulturellen Lernens.
• Sie sind offen für neue Ideen und vernachlässigte Themen und nehmen innovative Impulse von Schülern, Lehrern und Eltern auf. Sie kooperieren mit anderen Schulen, Bildungseinrichtungen, Kommunen und interessierten Personen oder Organisationen in der Region.
• Sie versuchen die Ziele der UNESCO mit ihren Mitteln zu verwirklichen.  Im Bewusstsein der einen Welt setzen sie sich für eine Kultur des Friedens ein: Umsetzung der Menschenrechte, Bekämpfung der Armut und des Elends, Schutz der Umwelt und Toleranz gegenüber Anderen.
• Sie beteiligen sich am internationalen Netzwerk, indem sie Verbindungen herstellen und Begegnungen ermöglichen – zum Beispiel durch Schulpartnerschaften oder durch internationale Seminare, Camps und Austauschprogramme.


Übergeordnete Ziele

„Ziel der UNESCO ist es, durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken, die den Völkern der Welt ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder Religion durch die Charta der Vereinten Nationen bestätigt worden sind" (Artikel I.1 der UNESCO-Verfassung).

UNESCO konkret: Modellschule für nachhaltige Entwicklung