Auf die Frage, was Schüler, Eltern und Kollegen am „Johnny“ mit der „Schulpastoral“ als erstes assoziieren, würden die meisten wahrscheinlich antworten: „Die Gottesdienste.“

Tatsächlich ist deren Gestaltung wohl „das Herzstück“ unserer Arbeit. So feiern wir mit den Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 bis 10 überwiegend wöchentlich, mit denen der MSS in der Advents- und Fastenzeit und immer wieder zu besonderen Festen im Jahreskreis und zu verschiedenen schulischen oder kirchlichen Anlässen mit der gesamten Schulgemeinschaft Gottesdienst.

Zum „Tagesgeschäft“ des Schulpastoralteams gehören ferner Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern  in schwierigen Situationen, die Durchführung von „Tagen religiöser Orientierung“ (TRO) für die Klassen 6,7,8 und 11 (letztere unterstützt von weiteren Kolleginnen und Kollegen), die Begleitung des Compassion-Projekts in den Klassen 10, die Krisenseelsorge, die Arbeit mit den Streitschlichtern, die Unterstützung sozialer Projekte.

Ausgesprochen aktiv und lebendig ist auch das schulpastorale Engagement der der GCL – auch wenn sie „institutionell“ (aber nicht personell) vom Schulpastoralteam getrennt ist.

Das ist schon sehr viel – doch Schulpastoral ist sogar noch mehr…

Gelegentlich tut es gut, einen eingeschliffenen Sprachgebrauch noch einmal näher zu bedenken, denn die Begriffe und mit ihnen auch die damit verbundenen Inhalte wandeln sich. Mag es „Schulpastoral“ im weitesten Sinne auch schon lange geben: Das Wort selbst ist noch gar nicht so alt und auch das, was mit den pastoralen Bemühungen an der Schule verbunden wurde, ist nicht mehr dasselbe wie etwa noch vor fünfzig Jahren. Deswegen soll die Entwicklung, die der Begriff und das Konzept seit der Bildungsreform in den 60er Jahren genommen haben, im Folgenden einmal nachgezeichnet werden. Grundlegendes zu diesem Thema findet sich in der Publikation der „Kommission für Erziehung und Schule“ der Deutschen Bischofskonferenz, die am 22.1.1996 unter dem Titel „Schulpastoral – der Dienst der Kirche an den Menschen im Handlungsfeld Schule“ erschien (im Folgenden abgekürzt: „Schulpastoral“) – Dabei wird man entdecken, dass sich Schulpastoral noch täglich an vielen anderen  als den oben genannten Orten und in vielen anderen Situationen an unserer Schule vollzieht…

Entwicklung und Veränderung von „Schulpastoral“ in den letzten 50 Jahren

Kennzeichnend für diese 60er Jahre war die Auflösung der engen Verbindung von Schule und Pfarrgemeinde und es wurden Wege gesucht, die Präsenz der Kirche über den Religionsunterricht hinaus und in Ergänzung zur Sakramentenkatechese in den Gemeinden zu gewährleisten und die Glaubensweitergabe an Jugendliche auf diese Weise zu unterstützen. Diese Bemühungen, die Schulgottesdienste, Tage religiöser Orientierung und  das Engagement von Jugendverbänden an den Schulen umfassten und mit der Ernennung eigener Schulseelsorger verbunden waren, wurden  als „Schülerseelsorge“ bezeichnet, ihre „Zielgruppe“ waren die Schüler.

Gerade die Schulen in freier Trägerschaft haben in der Folgezeit dazu beigetragen, dass diese schülerbezogene Seelsorge weiterentwickelt wurde, dadurch, dass nun auch verstärkt Eltern (durch Angebote religiöser Elternbildung) und Lehrer zu Adressaten pastoraler Bemühungen wurden. „Schulseelsorge“ wurde „zur Sammelbezeichnung für alle schulbezogenen kirchlichen Dienste und Angebote, die darauf abzielten, neue Beziehungen zwischen Pfarrgemeinde und Schule zu ermöglichen“ („Schulpastoral“, 12).

Der Begriff „Schulpastoral“ wird verstärkt seit Ende der 80er Jahre verwendet. Stärker als bisher geraten nun, sicher auch bedingt durch das Wissen um die Auflösung traditioneller Bindungen und die damit verbundenen Herausforderungen für das Leben und Lernen an der Schule, alle Christen, die in der Schule leben und arbeiten, in den Blick und man traut ihnen aufgrund ihrer Lebens- und Glaubenserfahrung zu, Schule im christlichen Geist zu gestalten und Träger der Schulpastoral zu sein. Schule wird jetzt immer stärker als Lern- und Lebensraum wahrgenommen, in dem es gilt, „im gelebten Miteinander des Glaubens die heilsame Präsenz des Christlichen erfahrbar [zu] machen und dadurch [zu] helfen, zu einer vernünftigen Selbstbestimmung des einzelnen in Gemeinschaft mit anderen zu gelangen ... Eltern, Schüler und Lehrer und andere Mitarbeiter der Schule übernehmen aus ihrer gelebten christlichen Überzeugung heraus Verantwortung füreinander und den Lern- und Lebensort Schule“ („Schulpastoral“, 13).

Erfreulich ist sicher, dass die Erklärung der „Kommission für Erziehung und Unterricht“ das oben genannte Verständnis von „Schulpastoral“ nicht nur theologisch, sondern auch schulpädagogisch reflektiert. Wenn alle pädagogischen Anstrengungen letztlich auf einen Zuwachs von Humanität, sowohl in individueller als auch gesellschaftlicher Hinsicht, ausgerichtet sein sollen, dann ist die „humane Mitgestaltung aller Dimensionen von Bildung und Erziehung, von Lehren, Lernen und Leisten der Weg der Schulpastoral schlechthin“ („Schulpastoral“, 15)  und Schulpastoral vollzieht sich im Engagement für eine humane Schule.

Konkretisierungen

Was heißt das konkret? Einige hilfreiche Hinweise finden sich in den Ausführungen der oben genannten Erklärung (vgl. zum Folgenden „Schulpastoral“, 16f.):

  • Schulpastoral findet demnach dort statt, wo sich Menschen an der Schule Grunderfahrungen und –vollzüge des Lebens, Erfahrungen des Scheiterns wie des Gelingens, des Zweifels, der Freude und der Angst, der Annahme und der Ablehnung, um nur einige zu nennen, bewusstmachen, diese miteinander teilen und sie vom Glauben her zu deuten versuchen.
  • Schulpastoral ereignet sich dort, wo der einzelne Mensch - im Wissen um sein Entwicklungspotenzial und das Ziel, woraufhin er geschaffen ist, nämlich „Mensch“ im Vollsinn zu werden -  ganzheitlich angesprochen und als ganzer mit seinem Verstand, seinen Gefühlen, seiner Leiblichkeit, seiner Beziehungsfähigkeit und  Phantasie ernst genommen wird.
  • Dies gilt nicht nur für die Begegnungen und Aktivitäten außerhalb des Unterrichts, sondern – und hier sei die Erklärung ein letztes Mal ausführlich zitiert – gerade für den Unterricht selbst: „Jeder Unterricht, der in sich stimmig ist und der in den vielfältigen Interdependenzen z.B. zwischen Lehrern und Schülern, sachlicher Distanz und persönlicher Aneignung, Vermittlung von Wissen und persönlicher Positionsbestimmung etc. gelingt und damit einen Beitrag leistet zur Wahrheitsfindung, zur Selbstfindung und damit zur Ermutigung zum Leben, hat pastorale Qualität.“ („Schulpastoral“, 18). Der Religionsunterricht mag sich als Raum für derartige Lernerfahrungen insofern besonders anbieten, als es in ihm um die zentralen Fragen des Lebens und Glaubens geht, aber die „schulpastorale Dimension“ im oben genannten Sinne ist ein Potenzial, das jedem Unterricht innewohnt.

Fazit

Ein derartig weit gefasstes Verständnis von Schulpastoral ist anspruchsvoll:

  • Es lädt - vielleicht noch mehr als an einer staatlichen Schule – alle, die am Schulleben einer sich christlich nennenden Schule mitwirken,  zur Reflexion und lebendigen Diskussion ihres Selbstverständnisses ein.
  • Es verpflichtet in besonderer Weise uns als Schulpastoralteam dazu, immer wieder neu nach unserem spezifischen Beitrag zur Humanisierung der Schule und einer Erschließung des Zuspruchs, der uns dabei aus dem Glauben gegeben ist, zu suchen.
  • Es vermag aber vor allem auch zu entlasten und zu ermutigen: Schulpastoral als ein inneres Moment des Schullebens, das Menschen als Glaubende im weitesten Sinne  humanisierend  und pädagogisch zu gestalten versuchen, findet in diesem Sinne schon in zahlreichen Situationen und Begegnungen unseres gegenwärtigen Schulalltags statt.