Die Akademietage 2018 beschäftigten sich mit der Theodizeefrage und fanden von 14. bis 16.02.2018 statt. Gastredner war Prof. Georg Langenhorst (Universität Augsburg), dessen Vortrag  „Hiobs Schrei in die Gegenwart: Gott denken angesichts von Leiderfahrungen“ in die Thematik einführte.

Langenhorst ist seit 2006 Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik des Katholischen Religionsunterrichts und Religionspädagogik an der Universität in Augsburg. Er hat zahlreiche Bücher publiziert, darunter zwei religiöse Kinderbücher und zwei Kriminalromane. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen zum einen im Überschneidungsfeld von »Theologie und Literatur«, im Feld von religiöser Kinder- und Jugendliteratur. Seit 2011 ist er Mitglied der Jury des katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises. Zum anderen beschäftigt er sich mit Frage, wie religiöses Lernen heute funktionieren kann. Er ist Schriftleiter der Zeitschrift »Relgionspädagogische Beiträge«.

In einer ersten Arbeitsphase berichtete die Holocaust-Zeitzeugin Henriette Kretz über ihre schrecklichen Erfahrungen während der NS-Zeit und stellte sich anschließend den Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Henriette Kretz wurde am 26. Oktober 1934 und lebte in einer jüdischen Familie in der Nähe von Opatów im südöstlichen Polen. Nach dem Überfall auf Polen im Herbst 1939 floh die jüdische Familie vor den heranrückenden Deutschen. Henriette kam mit ihren Eltern zuerst nach Lemberg und bald darauf ins benachbarte Sambor. Ihr Vater wurde Direktor eines Sanatoriums für tuberkulosekranke Kinder. Doch 1941 holten der Krieg und die Deutschen die Familie auch dort ein. Aus ihrer Wohnung wurden sie bald vertrieben und mussten in den jüdischen Stadtbezirk umsiedeln, wo kurze Zeit darauf ein Ghetto eingerichtet wurde.

Mit Hilfe von ukrainischen Bekannten oder durch Bestechung gelang es dem Vater, die Familie vor der Erschießung zu retten und aus dem Gefängnis zu befreien. Immer wieder mussten sie sich verstecken. Henriettes Eltern wurden vor ihren Augen erschossen. Sie selbst konnte sich in einem Nonnenkloster verstecken und überlebte die Zeit des NS-Terrors.

In einer zweiten Arbeitsphase nahmen die Schülerinnen und Schüler an Seminaren zu verschiedenen Themen teil:

"Warum lässt Gott Erdbeben, Tsunamis und Naturkatastrophen zu? - das Problem der natürlichen Übel" (Herr Reitz/ Herr Loch)

In diesem Workshop sollten die Teilnehmer/innen aktuelle philosophische und theologische Antwortversuche zum Problem der natürlichen Übel erarbeiten und diskutieren. Zentral war dabei u.a. die Frage, inwiefern diese Antwortver-suche einerseits mit dem christlichen Gottesbild und andererseits mit den modernen Erkenntnissen der Evolutionsleh-re kompatibel sind. Als Lernprodukt sollte eine abschließende Podiumsdiskussion vorbereitet werden.

Der allmächtige Gott und das Leid in der Welt –wie man auf philosophischem Wege einem Widerspruch zu Leibe rückt und dabei –hoffentlich –nicht als hoffnungsloser Naturalist herauskommt? (Herr Otto)

Die philosophische Gotteslehre erlebt eine Renaissance. Lange Zeit als Vernünftelei verpönt, legen altersweise gewor-dene Vertreter der analytischen Philosophie wie Thomas Nagel oder Holm Tetens, beides Atheisten quasi „ineigener Sache“, in jüngster Zeit Reflexionen zu den Grenzen des reduktionistischen Naturalismus bzw. zur Plausibilität eines Gottesbegriffs vor, der uns aufhorchen lässt. Dabei stzten sich die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit dem (theistischen) Gottesbegriff – also Gott nicht bloß als Aufzieher des Weltuhrwerks vorgestellt, aber ohne den Offenbarungsglauben anzunehmen – auseinander, sondern widmten sich auch der Frage, wie es sich mit den Übeln der Welt anders lebte, wenn es einen Gott gäbe?

Umgang mit Sterben und Tod (Herr Lukitsch/Frau Grimm)

Seit es Menschen gibt, sind Rituale ein Teil der Kultur. Welche Rituale zum menschlichen Umgang mit Leiden, Sterben und Tod haben die Geschichte des Menschen geprägt? Welche Trauer-und Bestattungsrituale praktizieren wir heute und auf welche Weise versuchen sie uns Trost zu spenden? In diesem Workshop ging es um eine Erkundungsreise in verschiedene Zeitepochen / Kulturräume / Religionen, um auf diese Weise zu Anregungen im Umgang mit eigenen Trauererlebnissen zu gelangen.

Metaphysik ohne Gott? (Frau Baumann/ Herr Barth)

Gott gilt als das allgütige, allwissende und allmächtige Wesen. Was geschieht jedoch, wenn wir beginnen, an diesen Attributen zu zweifeln? Wie sieht eine Welt ohne Gott aus? Und wie fühlt sie sich an? Fragen dieser Art spürten die Schülerinenn und Schüler nach, indem sie literarische und philosophische Texte zurate zogen, um letztlich zu prüfen, wie es um eine Metaphysik ohne Gott bestellt ist.