Von Jona B. und Alexander B.

Unser Workshop, in dem es um Freiheit und Gewissen, zwei zentrale lutherische Begriffe ging, erstreckte sich über zwei Tage und wurde von Herr Benz (Geschichtelehrer) und Frau Grimm (Philosophielehrerin) geleitet.

Herr und dienstbarer Knecht

Zu Beginn unseres Workshops philosophierten wir über den Begriff der Freiheit, indem wir uns die Frage stellten, was dieser für uns bedeutet. Nach einiger Zeit kamen wir zu dem Ergebnis, dass jeder tun und lassen kann was man möchte. Daraufhin stellten wir fest, dass die Antwort nicht so leicht zu finden ist. Um dieser Frage weiter auf den Grund zu gehen bekamen wir ein Zitat von Luther, das wie folgt lautet „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein  aller Dinge und jedermann untertan.“. Aus intensiver Quellenarbeit resultierte, dass es verschiedene Ebenen von Freiheit gibt. Zum einen gibt es die geistliche zum anderen die körperliche Ebene. Auf geistlicher Ebene ist der Mensch in seinen Gedanken und Gefühlen nur von Gott eingeschränkt. Nur wenn der Mensch an Gott gebunden ist und damit Gerechtigkeit und Heil erfährt, ist er von allem anderen befreit. Dies ändert sich aber sobald man die körperliche Ebene betrachtet. Dort ist der Mensch durch das Gebot der Nächstenliebe dazu verpflichtet nicht nur an seine eigenen Vorteile zu denken, sondern auch an das Wohlergehen seiner Mitmenschen. Daher ist der Mensch in seinem Handeln unfrei.

Kants "Autonomieformel"

Unter Betrachtung des Textes „Die Autonomieformel oder das Prinzip der Autonomie“ von Immanuel Kant wird deutlich, dass sich beide Theorien grundlegend unterscheiden. Laut Kants Aussage ist die geistliche Ebene des Menschen unfrei, da sie sich an selbst ernannte Regeln halten muss. Dies tritt in den Konflikt mit Luthers Aussage, da er der Meinung ist, dass jeder Mensch an die Regeln Gottes gebunden ist. Um die Aussage Luthers zu verdeutlichen haben wir einen Ausschnitt aus dem Film „Das weiße Band“ gesehen. In der Sequenz ging es um die Kinder eines evangelischen Pfarrers, die ohne darüber nachzudenken länger von zuhause wegblieben, als sie durften. Als sie schließlich zurückkamen, drohten die Eltern den Kindern eine Strafe an, da sie sich sorgen gemacht hatten. Als wir dies in der Gruppe besprachen, stellten wir fest, dass diese Bestrafung ganz im Sinne Luthers war. Die Kinder haben sich nicht an das Gebot der Nächstenliebe gehalten, da sie nach ihrem eigenen Verlangen handelten und nicht an das Wohlergehen der Eltern dachten.

Tyrannenmord und Gewissen

Am zweiten Tag unseres Workshops beschäftigten wir uns mit dem Begriff des Gewissens. Um uns an die Materie heranzutasten, notierten wir in Kleingruppen unsere Assoziationen zu diesem Thema. Dabei kamen wir zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Diese reichten von gesellschaftlichen Einflüssen über die persönliche Selbsteinschätzung bis zur Definition Freuds des Gewissens. Darüber hinaus erfuhren wir Luthers Meinung zu dieser Thematik durch einen Auszug von Christiane Tietz Aufsatz „Aufstand des Gewissens“. In diesem Text geht es um die Unterschiede zwischen einem guten und einem schlechten Gewissen.

Einer der wichtigsten Ergebnisse dabei ist die Vergebung der Sünde, die ein gutes Gewissen herbeiführt. Da Gott Sünden vergibt, ist damit auch das Gewissen nur an Gott gebunden. Allerdings ist die Grundlage des guten Handelns nicht das Ziel vor Gott als gerecht dazustehen, sondern die Annahme von Gott bereits angenommen zu sein. Ein Beispiel für das Gewissen nach Luther lässt sich Bonhoeffer erwähnen. Dieser konnte die Gräueltaten des Hitlerregimes nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, wehrte sich dagegen und wurde daher in das Konzentration Lager Flossenbürg gebracht.  

Während seiner Zeit im KZ äußerte sich Bonhoeffer über die Probleme des Gewissens folgendermaßen:

  1. Keine Orientierung an Gott und Anderen  versus  Ablenkung vom Glauben und Selbstbezug          
  2. Bloße Vermeidung von Verboten ohne Bezug zum Nächsten
  3. Mensch als eigener Richter; Flucht durch Distanzierung von Gott
  4. Schuld, Sünde  versus  Angst vor Gott, Distanzierung

Abschließend beschäftigten wir uns mit der Frage des Tyrannenmords. Jeder sollte seine eigene Stellungnahme dazu abgeben und wir kamen zu dem Ergebnis, dass man diese schwerwiegende Frage nicht pauschal beantworten kann, da es immer auf die Situation ankommt.

Uns hat der Workshop sehr gut gefallen, da er uns tiefgründige Einblicke in philosophische Themen ermöglicht hat, die wir sonst im normalen Schulalltag nicht behandeln würden.