Von Eva E. und Hannah H.

Bei unseren Akademietagen in Weimar unter dem Themenaspekt „Auf den Spuren Luthers“ setzten wir Schüler uns in drei Workshops mit verschiedenen Gesichtspunkten der Reformation auseinander. In diesem Bericht möchten wir nun die Ergebnisse und Methoden des oben genannten Workshops präsentieren.

Evangelisch, katholisch, ökumenisch?

Zur Einstimmung auf die Frage „Was trennt katholische und evangelische Kirche?“ wurden Zettel mit diversen Begriffen aus dem Themenfeld „Christentum“ ausgelegt, die wir gemeinsam in die drei Kategorien „evangelisch“, „katholisch“ und „ökumenisch“ einordnen sollten. Anschließend gingen die betreuenden Lehrer Herr Loch und Herr Pfarrer Sprenger die Wörter mit uns durch, erklärten solche, die nicht allgemein bekannt waren (bspw. Tabernakel, der Aufbewahrungsort geweihter Hostien) und korrigierten falsche Zuordnungen. Dabei fiel auf, dass deutlich mehr Begriffe beiden Kirchenzweigen zuzuordnen waren, als wir anfangs dachten, so zum Beispiel die Orden, die viele als rein katholische Institution betrachteten.

Um mit der Rechtfertigungslehre zu beginnen, betrachteten wir den Holzschnitt „Die Rechtfertigung des Sünders vor dem Gesetz durch die Gnade Gottes und den Glauben“ von Lukas Cranach d.Ä., auf dem er den reformatorischen Gedanken der Sündenvergebung durch Gottes Gnade in Kontrast stellt zur damaligen katholischen Einstellung, dass der Sünder ins Fegefeuer komme, um beim Jüngsten Gericht entweder in den Himmel, oder für immer in die Hölle geschickt zu werden.

Die Wandlung von Hostie und Wein

Im Anschluss setzten wir uns mit dem unterschiedlichen Verständnis der Abendmahlslehre, beziehungsweise der Wandlung der Hostie und des Weins auseinander. Wir kamen zu dem Schluss, dass die katholische und die lutherische Einstellung hier durchaus vereinbar wären, da beide von einer Art Anwesenheit Jesu ausgehen, aber nicht davon, dass, wie viele Vorurteile behaupten, sich Brot und Wein tatsächlich in Leib und Blut Jesu verwandeln. Dieses Vorurteil kommt im Prinzip durch einen Übersetzungsfehler zustande, da „Leib Christi“ im semitischen Sprachkontext die Gegenwart seiner Person in seiner Selbsthingabe für uns Menschen meint. Das „Blut“ bezeichnet hier die Lebenssubstanz eines Menschen, also Jesu Lebenshingabe für uns. Durch die Segnung wird Jesus Christus somit für die Gemeinde gegenwärtig. In Bezug auf die Lebenssubstanz diskutierten wir die Konnotation des Begriffes „Substanz“, der sich im Laufe der Zeit insofern änderte, dass man darunter heutzutage nicht mehr das Geistige, sondern etwas materiell vorhandenes, die Beschaffenheit eines Stoffes, meint. Ein Konfliktpunkt, den wir allerdings sahen, war die Tatsache, dass die evangelisch Getauften nicht zum katholischen Abendmahl zugelassen werden, dies umgekehrt jedoch ermöglicht wird. Wir waren uns aber dennoch einig, dass in diesem Punkt eine Übereinkunft möglich sein müsste.

"Hauptknackpunkt" Kirchenamt

Der „Hauptknackpunkt“ im Konflikt zwischen evangelischer und katholischer Kirche, wie Herr Loch es formulierte, bleibt somit das Kirchenamt. Die Katholiken beziehen sich hierbei auf die apostolische Sukzession; die Bischöfe wurden von den Aposteln durch die Weihe in ihre Ämter eingesetzt, die wiederum von Jesus bestimmt wurden, dadurch entsteht eine Legitimationskette. Das heißt, die Bischöfe können sich in ihrem Handeln auf Jesus berufen. Das gilt auch für den Papst, welcher als Bischof von Rom den Nachfolger Petri und somit den wichtigsten katholischen Bischof verkörpert. Betrachtet man dies jedoch rein historisch, erscheint dieses Argument unsinnig, da Jesus zwar die Apostel einsetzte, es dann jedoch noch 100 bis 200 Jahre dauerte, bis die Bischofsstruktur entstand.

Im Gegensatz dazu sind die Grundlagen der evangelischen Kirche die Evangelien und die Spendung der Sakramente gemäß der Evangelien. Die Berufung eines Bischofs kann hier rückgängig gemacht, also abgesprochen werden, während man im Katholizismus das Amt auf Lebenszeit übertragen bekommt.

Die Frage der Gleichberechtigung

Überhaupt erschien uns das Verständnis der Kirchenämter in der katholischen Kirche insofern nicht nachvollziehbar, dass die Bischöfe und Priester offiziell die Nachfolger der Apostel sein sollen, deren Geschlecht die Begründung dafür ist, dass es hier keine Priesterinnen gibt. Denkt man dieses Konzept jedoch einmal weiter, fällt auf, dass es dann sehr inkonsequent gehandhabt wird: Die Apostel waren zwar alle männlich, aber auch alle als Juden geboren, alle aus Israel und vermutlich auch nicht sehr groß. All diese Punkte werden in der Wahl der „Nachfolger“ nicht berücksichtigt, weshalb wir es als unfair erachteten, dass das Geschlecht entscheidend sein soll, wenn eine Frau vielleicht besser für das betreffende Amt geeignet wäre als ein Mann. An dieser Stelle sollte man unserer Meinung nach also mit der Zeit gehen und die Gleichberechtigung von Mann und Frau auch in der Kirche durchsetzen. In dieser Hinsicht fanden wir die evangelische Kirche deutlich fortschrittlicher, die Frauen in kirchliche Ämter einsetzt.

Der zeitliche Kontext ist in diesen Fragen ohnehin wichtig, da sich viele Dinge einfach im Laufe der Zeit ändern und nicht alle Traditionen und Ansichten 1:1 weitergegeben werden sollten, ohne dies zu berücksichtigen. Beispielsweise war Martin Luther, der ja immerhin den Anlass zu diesen Akademietagen gab, in späteren Jahren sehr judenfeindlich, weil zu dieser Zeit einfach ein sehr verbreiteter Antisemitismus herrschte. Auch die Bedeutung bestimmter Wörter und Begrifflichkeiten kann sich ändern, wie wir bereits bei der Abendmahlslehre feststellten. Aufgrund dessen hielten wir die Unfehlbarkeit des Papstes und die damit verbundene wortgetreue Übernahme vieler Regelungen etc in der katholischen Kirche für unzeitgemäß.

Letztlich kamen wir zu dem Schluss, dass das größte Hindernis für die Einigung der Kirchen das Amt des Papstes als unfehlbarer Jurisdiktionsprimat und das generelle Verständnis des Kirchenamtes darstellen. Daher könnte es nur durch den Papst und die Priester zu einer Annäherung kommen, die dafür jedoch ihre Macht abgeben müssten.