Von Shari Lorén W.

Am 10. Februar 2017 besuchte Weihbischof Dominikus Schwaderlapp vom Erzbistum Köln unsere Schule, um sich zum Hauptthema „Luther und die Reformation“ zu äußern und Fragen aus katholischer Sicht zu beantworten. Zu Beginn der Doppelstunde erzählt Herr Schwaderlapp zuerst ein wenig über sich. Er hat Theologie studiert, erlangte vor 24 Jahren seine Priesterweihe, war drei Jahre Kaplan, acht Jahre im Amt des Generalvikars und zuletzt Weihbischof.

Nach dieser Einleitung übernimmt Herr Benz die Moderation, erklärt das Tagesthema „Luther und die Reformation“ und gibt eine kurze Einleitung zu den kommenden Akademietagen zum selbigen Thema vom 19. bis 22. Februar. Kurz darauf zeigt Herr Benz via Power Point ein Bild von Lukas Cranach „Gesetz und Gnade“ von 1529, analysiert dieses kurz und präsentiert eine These dazu.

Es wird fortgefahren mit einem Zitat von Thomas Martin Schneider, woraufhin Bischof Schwaderlapp das Wort übernimmt: Er spricht von Barmherzigkeit und von den Geboten, welche wichtig sind, um zum Handeln zu motivieren. Er erklärt auch, dass es zur Zeit Luthers viel veräußerlichten Glauben gab und Luther dagegen anging.

Daraufhin wirft Herr Benz ein, dass er zu diesem Punkt kaum einen Unterschied zwischen dem evangelischen und dem katholischen Glauben sieht. Bischof Schwaderlapp erklärt, dass es diesbezüglich  eine unterschiedliche Bedeutung bzw. Verständnis von „Erlösung“ gibt: Im Katholischen gibt es die heilig machende Gnade, welche sich auf die Beichte bezieht. Des Weiteren wird die menschliche Freiheit als verdienstvoll angesehen.

Es folgt eine Frage aus dem Publikum, ob die Taufe nötig ist, um anerkannt zu werden. Der Bischof antwortet, dass die Taufe die Bedeutung katholischer Aufnahme hat, es den Menschen aber später freisteht, diese anzunehmen, und es auch viele andere Wege gibt, Menschen zum Heil zu führen. Die Taufe geschieht im Auftrag Jesu und kann unterschiedliche Traditionen haben. Auf Nachfrage erklärt der Bischof, dass Gott auch bei den Menschen ist, die nicht getauft sind, eine Taufe allerdings insgesamt von Vorteil wäre.

Es wird eine weitere Publikumsfrage zur heiligen Schrift gestellt (was dazu gehört und was nicht) und der Bischof antwortet, dass sich Bischöfe darüber einigen, was die heilige Schrift ist. Im Katholischen gilt sie als Grundlage. Es gibt Unterschiede im Verständnis der heiligen Schrift zwischen Evangelischen und Katholiken: im Evangelischen zählt nur die Schrift, im Katholischen haben darüber hinaus auch die Aussagen wie zum Beispiel des Papstes Gewicht. Es folgt eine Frage aus dem Publikum zum Unterschied zwischen der evangelischen und der katholischen Taufe, woraufhin der Bischof schlicht antwortet, dass es diesen gibt.

Nun leitet Herr Benz weiter zum Thema Lutherbilder und zeigt einen Holzschnitt von Erhard Schön von 1530/ 1535, welcher Luther als Dudelsack des Teufels darstellt. Danach wird als zweite These ein Zitat von Volker Reinhardt aufgegriffen, woraufhin Luther einerseits ein Genie sei, aber dennoch die Züge eines Ketzers/ Abweichlers zeige. Der Bischof sagt dazu, dass Luther die Leute gut begeistern konnte und in dieser schweren Zeit für die Kirche einen Finger in eine Wunde gelegt hat. Herr Schwaderlapp zitiert Jesus, dass die Christen eins sein sollen und erklärt dies als mahnendes Wort.

Es wird eine weiter Publikumsfrage darüber, ob die Kirchen irgendwann wieder eins sind, gestellt. Der Bischof antwortet, dass er die Hoffnung dafür hat, dies aber sehr schwierig umzusetzen ist. Er kann nicht genau sagen, ob dies jemals der Fall sein wird. Es folgt eine Frage darüber, was für den Bischof das „Wesen eines Ketzers“ ist, was seine Meinung dazu ist und ob Luther ein Ketzer war. Der Bischof antwortet, dass Ketzer für ihn Theoretiker sind, die einen wahren Ausschnitt aufs Ganze legen und dadurch vieles verfälscht wird. Für ihn ist das Wort „Ketzer“, welches von dem Wort „Katharos“ stammt (Erläuterung durch Herr Pfr. Sprenger), nicht unbedingt eine negative Bezeichnung. Er diskutiert weiterhin über „Häretiker“.

Auf die Frage einer Lehrerin (aufgrund der Länge nicht protokollierbar) antwortet der Bischof, dass es bezüglich der Eucharistie unterschiedliche Verständnisse aus evangelischer und katholischer Sicht gibt, und verweist auf Paulus‘ Korintherbriefe. Es wird eine weitere Frage aus dem Publikum gestellt, inwieweit die Menschen das Gefühl bekommen, dazuzugehören, und der Bischof antwortet, dass das nicht passiert (gesamter Bezug auf Eucharistie -> Brot für Evangelisten).

Die nächste Frage wird zum „Traum von der Einheit der Kirche“ und zur „Demokratisierung der Kirche“ gestellt, mit Verweis darauf, wie die Taufe in einer Freikirche gewertet wird. Der Bischof äußert seinen Respekt vor unterschiedlichen Sichtweisen. Herr Loch stellt eine Frage zum Abendmahl (Eucharistie), ob die Unterschiede so schwerwiegend sind und ob man im 21. Jahrhundert nicht mehr zusammenhalten sollte, da die Christlichkeit abnehme und es immer mehr sogenannte „Scheinchristen“ gebe. Der Weihbischof antwortet, dass Scheinchristen nicht zur Kommunion gehen sollten, Unterschiede respektiert werden sollten und Gläubige zusammenhalten müssen.

Eine weitere Frage aus dem Publikum lautet, welche Partei denn am besten mit katholischen Werten veranlagt ist, woraufhin der Bischof nicht antworten kann (weiß es nicht) und sagt, dass die Kirche sich aus den Parteien heraushalten sollte.

Herr Benz geht daraufhin über zum Lutherfilm von 2003 und zeigt dessen Trailer. Es wird die Frage aufgeworfen, ob Luther ein „Medienstar“ war und eine 3. These in Form eines Zitats von Astrid Blome gezeigt. Der Bischof erklärt, dass er den Film nicht gesehen hat. Er wertet Luther als eine charismatische Gestalt, die gut reden konnte und sich den Buchdruck zu Nutzen machte. Er sagt, dass auch Paulus zu seiner Zeit als „Medienstar“ gelten kann, wegen seiner Kommunikation durch Briefe. Herr Benz fragt, ob Luther immer noch ein Medienstar sei und verweist dann auf Leo Schwaderlapps Vortrag zum Thema „Reformierbare Kirche?“.

Es folgt eine 4. These in Form eines Zitats von Leo Waltermann, welches besagt, dass ein „guter Katholik“ nicht alles abnickt, was die Obrigkeit sagt, sondern hinterfragt. Der Bischof stimmt damit überein und erklärt, dass die Kirche keine Institution ist, sondern ein Raum um Christus zu begegnen. Er fügt hinzu, dass man aus sehendem Gehorsam handeln sollte und nicht aus hörendem.

Die nächste Frage dazu aus dem Publikum lautet, ob man nicht sage könnte, dass dies einen „guten Christen“ ausmacht anstatt einen „guten Katholik“, woraufhin der Bischof zustimmt. Es wird eine weitere Frage aus dem Publikum gestellt, ob „der kleine Mann“ in der Kirche nichts erreichen kann. Weihbischof Schwaderlapp antwortet, dass es nicht vom Rang abhängt, wer etwas bewegen kann und weist auf die heilige Elisabeth.

Nun zeigt Herr Benz den Entwurf des geplanten Lutherdenkmals für Berlin 2017 und erklärt dessen Plan. Es folgt eine kritische 5. These in Form eines Zitats von Matthias Pohlig, dass das Reformationsjubiläum zum Lutherjubiläum wird.  Dazu meint Herr Schwaderlapp, dass Luther für uns für den „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, steht und, dass man nicht alles personalisieren sollte.

Schließlich folgt eine Danksagung durch Herr Benz, eine Abschlussrede vom Schulleiter Herr Loch, welcher dem Bischof einen Wein und das Jahrbuch schenkt, und eine Danksagung durch Weihbischof Schwaderlapp. Abschließend gab es ein Schlussgebet von Herr Schwaderlapp und es wurde das „Vater Unser“ gebetet.