„Es macht keinen Sinn, seine konfessionelle Identität aufzugeben, nur um die Einheit der Kirchen zu befördern“ – Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (Erzbistum Köln) stellte sich zwei Schulstunden den kritischen Anfragen der Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte (MSS 12) und des Leistungskurses Katholische Religion (MSS 13) des Johannes-Gymnasiums.

Welche Unterschiede gibt es noch zwischen den Lehren der beiden großen christlichen Kirchen? Ist die Rechtfertigungslehre Luthers heute noch ein Hindernis für die Ökumene? Wie sieht die katholische Kirche das evangelische Abendmahlverständnis? – Es waren viele Fragen, auf die Weihbischof Dominikus differenziert und mit großer Klarheit den Schülerinnen und Schülern antwortete. Dabei wurde schnell deutlich: Aus Sicht des Kirchenmannes ist nicht mit einer absehbaren Einheit der Kirchen zu rechnen. Hier sieht er zu große Differenzen in den Bereichen Eucharistie, Kirchen- und Amtsverständnis.

Trotzdem wurde in seinen Ausführungen deutlich, wie hoch im Jahr des Reformationsjubiläums die Wertschätzung des Weihbischofs für das Grundanliegen Luthers, die Reformation und die heutige ökumenische Partnerschaft mit den evangelischen Mitchristen ist. „Mich haben die durchdachten und eindeutigen Antworten des Bischofs beeindruckt“ – so äußerte sich der 18-jährige Schüler Leo Schwaderlapp, der den Kontakt zwischen seinem Geschichtslehrer Edgar Benz und seinem Onkel und Weihbischof hergestellt hatte.

Shari Lorén W. schrieb ein ausführliches Protokoll zum Besuch des Kölner Weihbischofs.




Luther in Erfurt - Vorlesung von Dr. Martin Fischer in der Kiliani-Kapelle

Erfurt und Luther – die Beziehung zwischen der thüringischen Universitätsstadt und dem Reformator war nicht immer einfach. Einerseits fand Luther hier ab 1521 früh eine große Zahl von Anhängern, andererseits gestalteten sich seine Einwirkungsmöglichkeiten auf die konfessionellen Geschicke am Ende des Jahrzehnts immer schwieriger. „Erfurt ist unverbesserlich“, soll Luther angesichts ständiger Positionswechsel des Stadtrats gesagt haben.

Dr. Martin Fischer von der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt widmete sich in seiner Vorlesung zunächst Luthers Studienzeit in Erfurt. Wenngleich die Quellenlage nicht eindeutig ist, so lassen sich doch einige Eckdaten festhalten:

  • Luthers Studienbeginn im Frühjahr 1501 und besuchte unter anderem Vorlesungen des weithin geachteten Professors Jodocus Trutfetter.
  • Im Herbst 1502 schloss er sein Bakkalaureatsexamen und im Januar 1505 sein Magisterexamen erfolgreich ab.
  • In der Konsequenz seines Gelübdes angesichts eines schweren Gewitters nahe der bei Erfurt gelegenen Ortes Stotternheim trat Luther am 17.Juli 1505 in den Orden der Augustinereremiten ein und feierte nach der Priesterweihe am 2. Mai 1507 seine Primiz.
  • Nach den Graduierungsstufen des baccalaureus biblicus und baccalaureus sententiarius promovierte er am 18.12.1512 zum Doktor der Theologie.

Luther studierte 16 Semester in Erfurt, davon acht in Theologie, sieben in Philosophie und eines in Jura. Nach seinem Wechsel nach Wittenberg absolvierte er 1516 eine Visitationsreise nach Erfurt. Zu einem Diskurs über den sich ausweitenden Streit um den Ablasshandel kam es jedoch nicht, da zahlreiche Professoren und Studenten die Stadt wegen einer Pestepidemie verlassen hatten.

Das Foto zeigt (v.l.) Schulleiter Rudolf Loch im Gespräch mit Dr. Martin Fischer und Prof. Dr. Michael Gabel, Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt.