Am Anfang stand eine großartige Idee, deren Zeit gekommen war: In der Mitte Europas friedlich zusammen zu leben, in materiellem Wohlstand für alle, in einem Rahmen, der Freundschaften über die eigenen Grenzen hinaus und Interesse füreinander begünstigen sollte. Schranken wurden demontiert und es gab viel Euphorie. Mehr als andere werden sich vielleicht diejenigen für das gemeinsame Europa begeistern, die sich daran erinnern, an der Grenze zum Nachbarstaat auf die Kontrolle gewartet, gebührenpflichtig Geld getauscht und sich dann im Kopfrechnen für den Wechselkurs geübt zu haben, oder daran, wie furchtbar feindselig und um die Wette rüstend sich Europäer einmal gegenüber standen. Seitdem ist vieles komplexer geworden und damit immer schwieriger zu verstehen.

Der Vortrag von Herrn Prof. Otfried Höffe („Setzt Europa seine Grundwerte aufs Spiel?“) und noch mehr die Podiumsdiskussion mit Herrn Dr. Kohns von der Bundesbank, Herrn Professor Dr. Dr. Helge Peukert aus Erfurt und dem Occupy-Money Mitglied Herrn Hajo Köhn machten schnell klar, dass Wirtschaft und Finanzen Europas nicht leicht durchschaubar sind, dass viele Menschen nicht wissen, wohin ihre Steuergelder fließen – und ob sie schließlich auch da ankommen, wo sie hinsollen: zu denjenigen Menschen in Europa, die sie am nötigsten brauchen. Umso dankbarer waren alle an der Europa-Akademie Beteiligten dafür, dass die genannten drei Experten es schafften, mehr Licht ins Dunkel zu bringen.

Auf der Grundlage einer hervorragenden inhaltlichen Vorbereitung durch die Politik-AG von Herrn Dr. Hübner (Johannes-Gymnasium) gelang es, die Finanzströme in Europa besser zu verstehen – und über Alternativen, beispielsweise hinsichtlich der Bankenstrukturen, nachzudenken. Es dürfte allen klar geworden sein: Wer sich für Europa einsetzen will, muss alles daransetzen, es zu verstehen, muss mutig kluge Reformen umsetzen und darf nicht daran verzweifeln, dass die Krise zum Teil übermächtig wirkt und der Wille zu einem gemeinsamen Europa nicht mehr offensichtlich ist. Und er muss dafür werben, dass niemand mehr gewählte Volksvertreter anderer Nationen als „Clowns“ bezeichnet, nun, das ist selbsterklärend. Und wir gaben nicht auf!

Herr Prof. Dr. Dr. Peukert leitete im Rahmen der Workshoparbeit engagiert ein Team von Schülern an, einmal eigene Vorstellungen von einem geeinten Europa zu entwickeln („JugendEuropaParlament“) und eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern um Frau Grimm und Frau Baumann befasste sich mit der Grundidee eines friedlichen Miteinanders der Völker, die Immanuel Kant bereits 1795 (!) in seiner philosophischen Schrift „Zum ewigen Frieden“ formuliert hatte. Wie Währungsunion und politische Union zusammenhängen, untersuchten interessierte Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Herrn Dr. Hübner und Herrn Köhn. In einer Theaterperformance gelang es einer Gruppe um Herrn Hahn, die enttäuschten Hoffnungen der jungen Generation ebenso wie ihre Wünsche für eine Zukunft Europas zu entwerfen.

Zum Schluss wurden eindrucksvolle Ergebnisse präsentiert, sodass wir hoffen dürfen, dass Europa immer mehr in der Hand fähiger junger Leute liegen wird. Je komplexer das Haus werden muss, desto besser müssen eben auch Architekten und Handwerker sein – auch desto besser vorbereitet …