Lehrer der "Aktion Bien"-Projektschulen aus dem ganzen Land finden seit Kurzem am Lahnsteiner Johannes-Gymnasium eine zentrale Anlaufstation. Denn dort wurde ein Kompetenzzentrum zur Fort- und Weiterbildung eingerichtet.

Einmal in der Woche treffen sich die Schüler der Bienen-AG im ehemaligen Klostergarten des Johannes-Gymnasiums, um mehr über die wichtigen Insekten zu erfahren. Gut betreut und ausgestattet tauchen sie in die Welt der Insekten ein.Einmal in der Woche treffen sich die Schüler der Bienen-AG im ehemaligen Klostergarten des Johannes-Gymnasiums, um mehr über die wichtigen Insekten zu erfahren. Gut betreut und ausgestattet tauchen sie in die Welt der Insekten ein.Foto: Markus Eschenauer

"Hier können Lehrer nicht nur dienstags beim Unterricht der Bienenarbeitsgemeinschaften der Schillergrundschule und des Johannes-Gymnasiums hospitieren, sondern hier findet am 31. Mai auch die diesjährige Jahrestagung von ,Aktion Bien‘ statt", erklärt Hansjörg Groenert, selbstständiger Dozent für Biologiedidaktik und Projektleiter. Etwa 50 Teilnehmer haben sich bereits angemeldet.

Vor rund eineinhalb Jahren ist die Bienen-AG an der Lahnsteiner Schule ins Leben gerufen worden. In dieser Zeit hat sich auf dem weitläufigen Gelände hinter der Mensa einiges getan. Mehrere Bienenkisten bieten inzwischen Tausenden von Insekten ein Zuhause. (s. dazu einen Beitrag des SWR über die Imker AG).

In einem Geräteschuppen ist die Ausrüstung untergebracht: Smoker, Schutzanzüge, Hauben, Stifte zum Markieren. Schüler und Betreuer finden optimale Voraussetzungen, um, so lautet ein Ziel des Projekts, Bewusstsein für die Zusammenhänge der Natur zu entwickeln. Deshalb sollen nun auch andere Bienen-AGs davon profitieren.

Neben dem Klostergarten nennt Groenert einen weiteren Grund, warum gerade das Johannes-Gymnasium als Standort für das Kompetenzzentrum ausgewählt wurde: die gute Ausstattung der Schule in Fach- und Sonderräumen. Das ermöglicht ein ganzheitliches Konzept. Klar, dass die Teilnehmer der Bienen-AG viel draußen unterwegs sind. Sie begutachten die Kisten oder überprüfen die Wachsproduktion.

Im Jahr 2013 wurde das Projekt "Aktion Bien" ins Leben gerufen. Das Johannes-Gymnasium in Lahnstein beteiligt sich seit November 2014 daran.

Doch die Arbeit geht weit darüber hinaus: Es wird frischer Honig abgefüllt, Pollen werden gewonnen und den Trachtpflanzen zugeordnet. Außerdem stellen die Kinder ihre eigenen Wachsmalstifte her und bauen selbst Wabenrähmchen. "Wir arbeiten mit Kopf, Herz und Hand", sagt Groenert.

Insgesamt sind neun Schüler bei den wöchentlichen Treffen der Arbeitsgemeinschaft dabei. Auch die beiden Fünftklässlerinnen Maria und Isabel machen mit und haben großes Interesse. "Es macht Spaß, weil man sehr viel mit der Natur zu tun hat", sagen sie.

Mit einer Aufgabe der ganz anderen Art ist hingegen der elfjährige Jonas derzeit beschäftigt. Er übt nämlich an einem Vortrag, den er bei der Jahrestagung von "Aktion Bien" halten soll. Aufregend. "Beute meint einen Kasten mit Bienen", erklärt er beispielsweise. Sind mehrere übereinandergestapelt, spreche der Fachmann von einem Magazin. Jonas kennt sich also aus und ist gut vorbereitet. Kein Wunder, denn bei der Bienen-AG erfahren die Schüler viel Interessantes über die Natur - und Spannendes. Bei dem Termin vergangene Woche etwa wurde ein zuvor eingefangener Honigbienenschwarm in eine Bienenkiste eingesetzt. Tausende Tierchen krabbelten - wie in einer Prozession - über das ausgebreitete gelegte Laken in ihr neues Domizil. Ein echter Höhepunkt für die Nachwuchsimker.

Aktion Bien ist ein Projekt der Landeszentrale für Umweltaufklärung. Es fördert deshalb seit 2013 mit Honigbienenhaltung an Schulen und weiterführenden Bildungseinrichtungen in Rheinland-Pfalz mit jeweils bis zu 1500 Euro. Durch die originale, handlungsorientierte Begegnung mit dem Bien, wie der Superorganismus aus bis zu 50 000 Arbeitsbienen, vorübergehend circa 300 Drohnen, einer sogenannten Königin und einem Wunderwerk aus Wachswaben genannt wird, lernen die Jugendlichen ein wichtiges Bindeglied im Netzwerk der Lebewesen unseres Ökosystems kennen. Mehrere Duzend Schulen beteiligen inzwischen an dem landesweiten Projekt. Am 31. Mai treffen sich die Lehrer der „Aktion Bien“ zur landesweiten Jahrestagung.

Das genaue Programm sowie die Anmeldeformulare sind im Internet erhältlich unter der Adresse www.groenert.bildung-rp.de/ bien.htm

Text und Fotos von Markus Eschenauer (Rhein-Zeitung)