Sie sind mehr als 2000 Jahre alt, doch an Aktualität, Allgemeingültigkeit, Poesie und Bildsprache haben sie nichts eingebüßt. Der Übersetzung nach handelt es sich um von einem Instrument begleitete Lieder, und tatsächlich findet sich auch zu Beginn vieler der 150 Psalmen des Alten Testaments der Hinweis: „Zur Harfe zu singen“. Dass sich Menschen durch die Jahrhunderte von den Psalmen angesprochen fühlten und sie bis heute gebetet werden, liegt auch an der Vielschichtigkeit dieser Gebete: Da gibt es Fluchpsalmen genauso wie Klage, Hoffnungspsalmen – es geht um Schuld, Verfolgung, Überforderung, Hass und Menschenrechte. Für Pastoralreferent und Hochschulseelsorger (KHG Koblenz) Guido Groß und seine Mitstreiter, den Psalmen im Rahmen einer Ausstellung einen neuen Raum zu geben. Diese (Wander)-Ausstellung „Lebens.Raum Psalmen“, die von den Bistümern Mainz, Limburg, Trier und Speyer finanziert wurde, ist noch bis Anfang Mai in der Aula des Johannes-Gymnasiums zu sehen.

Zur Eröffnung der Ausstellung konnte Uta Wittenbruch-Overrings vom Schulpastoralteam Guido Groß begrüßen, der den Schüler der Religionskurse Interessantes von der Idee, über Konzeption bis zur Fertigstellung der Ausstellung erzählte. Davon, dass man 150 Psalmen unmöglich alle abdrucken kann: „Zuviel Text geht nicht, da schalten die Besucher ab“. Davon, wie dass es schon einige Konzepte gab, die man aber nicht einfach kopieren kann. Und schließlich davon, dass man sich darauf geeinigt hat, Räume zu konzipieren, in denen die unterschiedlichen Psalmen thematisch ihren Platz finden. „Wir haben uns auf fünf Räume geeinigt, jedem Raum ist ein zunächst ein einziger Psalm zugeordnet“. Da gibt es den Weltenraum mit dem Psalm 104, in dem Evolution, Verantwortung für die Schöpfung, Kosmos und Natur thematisisert werden. Es gibt einen Klangraum (Ps 84), einen Sozial- und einen Freiraum (Ps 23). Schon beim Betreten der Ausstellung fällt aber der „Dunkelraum“ (Ps 88) ins Auge, bebildert mit dem Edward Munk-Bild „Angst“. „Kein Bild hat diesen Bereich so gut ausgedrückt wie dieses Bild. Aber es war schwierig, für den Abdruck die Rechte zu bekommen. Und es war das teuerste Objekt“, so Groß. Denn auch von Rechten, Materialvorschlägen und Finanzierung berichtete er den Schülern.

(Rudolf Loch, Guido Groß bei der Ausstellungseröffnung)

Die „Psalmen-Räume“ zu durchschreiten, braucht Zeit. Innehalten und schauen, sich berühren lassen von den uralten Texten in ihrer Parteinahme für Arme, Schwache oder Asylanten oder der Zusage, dass es da immer jemanden gibt, der einen trägt. „Psalmen sind eine Möglichkeit, Worte zu finden und mit Gott in Beziehung zu treten ohne Angst vor Bewertungen“, lud Groß die Jugendlichen in die Ausstellung ein. (mrk)