In der Mitte des Raumes ist auf dem Fußboden der Umriss eines Bootes abgeklebt – gut neun Meter lang und drei Meter breit. Ganz hinter in der Ecke des Bootes noch einmal ein abgeklebtes Quadrat – ein halber Quadratmeter Platz für einen Menschen auf der Flucht. Teuer erkauft von jedem der gut 200 Menschen, die sich in einer solchen Nussschale voller Hoffnung auf ein besseres Leben auf den Weg übers Mittelmeer nach Lampedusa machen - und oft genug nicht ankommen. Bilder von Flucht, Elend, Hunger, Krieg, von Kindern und alten Menschen, Stacheldraht flimmern über eine große Leinwand, untermalt von ruhiger Musik. Beklemmung und Nachdenklichkeit machen sich breit, liegen über dem Raum und erfassen jeden, der sich diese von Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b konzipierten Ausstellung zum "Leben ohne Leben – Auf der Flucht" in der Aula des Johannes-Gymnasiums ansieht.

Die Vierzehn- und Fünfzehnjährigen haben sich mit dem Thema Flüchlinge im Deutschunterricht beschäftigt, statt einer Klassenarbeit haben sie die Ausstellung, die für vier Wochen in der Aula zu sehen ist, erarbeitet. Und sie haben nicht nur die Zeitung studiert, entsprechende Berichte und Literatur gelesen und die Nachrichten angeschaut, sie haben auch Kontakt zu zwei jungen Flüchtlingen geknüpft und sich deren Geschichte erzählen lassen. Die ist ebenfalls in der Ausstellung zu lesen. "Wir wollten auch wissen, was ein Mensch auf der Flucht, die oft viele Wochen dauert, mitnehmen kann und dann einen Rucksack gepackt", erzählt Simon und weist auf die entsprechende Station in der Ausstellung.

Dass man sich dem Thema auf die unterschiedlichsten Arten nähern kann, zeigt auch das "Fluchtspiel", das mit vier Personen gespielt werden kann. Ein Würfel, vier Spielfiguren, jedes Feld ein Weg in die Freiheit, "Schicksals"karten, die auf bestimmten Feldern gezogen werden müssen.  "Das geht unter die Haut", hat eine Schülerin in dem "Feed back-Buch" zur Ausstellung geschrieben und spricht damit sicher vielen der jungen Besucherinnen und Besucher aus dem Herzen. Und Schulleiter Rudolf Loch ist sich mit Deutschlehrer Christoph Oster, in dessen Unterricht das Projekt realisiert wurde, sicher, dass eine derartige Auseinandersetzung mit einem Thema eine nachhaltige Wirkung hat. Dazu tragen auch die erabeiteten Flyer mit Spendenkonten oder die sehr beeindruckenden Texte zur Flucht aus verschiedenen Perspektiven in der Broschüre "Get safe" bei. 

Nachhaltig ist sicher auch die Begegnung mit den beiden jungen Flüchtlingen gewesen, es sind erste Freundschaftsbande geknüpft worden. Und auch der junge Asylbewerber Behzad Ghasemi aus Afghanistan hat an der Schule Freunde – hier im Deutschkurs der MSS 11 - gefunden, die ihm jetzt ein Stückchen Mobilität ermöglichen konnten: Die Schüler überreichten ihm im Beisein von Schulleiter Rudolf Loch ein Fahrrad. (mrk)