Großes Kino am Johnny: In der Aula hat der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz die Podiumsdiskussion zum Thema “Afrika” eröffnet und eine Reihe prominenter Gäste aus Gesellschaft und Politik begrüßt, darunter auch  Wolfgang Niedecken – der BAP-Frontmann kümmert sich in seinem Projekt Rebound um die Reintegration traumatisierter afrikanischer Kindersoldaten. “Professor Horst Köhler wird sich um einige Minuten verspäten”, entschuldigt er den ehemaligen Bundespräsidenten, um dann kurze Zeit später gemeinsam mit einem Tross Fotografen und den Schülersprechern Paul Sand und Steffen Schmelzeisen eben jenen unten auf dem Hof begrüßen zu können. “Sie kommen von rechts” - die stets gut informierten Securitiy-Männer haben die schwarze Limousine und das Begleitfahrzeug schon im Blick, als es auf den Schulhof einbiegt. Puunktgenau hält der Fahrer vor dem Eingang, der Schlag wird geöffnet, Horst Köhler steigt aus und ist gleich ganz da und den Menschen zugewandt. Die Schüler stellen sich vor und werden dann von Köhler immer wieder ins Gespräch einbezogen. Der Weg in die Aula dauert einen Moment – im unteren Foyer bittet der Südwestfunk um ein Interview. Köhler unterbricht sein Gespräch, antwortet souverän auf die Fragen der Jounalisten, nimmt auch hier wieder die Schülersprecher mit ins Bild. Der Beitrag wird noch am selben Abend in der Landesschau (21.45 Uhr) gesendet und gibt eine kurze Zusammenfassung dieses “Afrika-Tages” am Johnny mit seinen bunten Markt, der Diskussion und natürlich der passenden Musik.

In der Aula dann brandet Applaus auf – eine warme Begrüßung für Horst Köhler, der dann sofort auf dem Podium neben Wolfgang Niedecken, Barbara Unmüßig (Heinrich-Böll-Stiftung), Dr. Rui Conzane (Abgeordneter im mosambikanischen Parlament) und Moderatorin Ute Schaeffer (Chefredakteurin der Deutschen Welle) Platz nimmt. Es wird schnell deutlich, dass es “das” Afrika nicht gibt, dass Afrika ein Kontinent voller Widersprüche ist. Aber auch, dass unser Reichtum ohne die Armut in Afrika nicht zu denken ist, Dass die reiche westliche Welt der Hauptverursacher des Klimawandels ist und vor allem die “arme” Welt im Süden darunter leidet. Alles hängt miteinander zusammen, alles, was wir kosumieren, hinterlässt seine Wirkungen in anderen Ländern: “Ich werde böse, wenn ich höre, was die in Afrika noch nicht gemacht haben und ich gleichzeitig weiß, was wir hier noch nicht gemacht haben”, legt Köhler den Finger in die Wunde.

Afrika hat große Ressourcen: neben Bodenschätzen und Land, das gerade im großen Stil von Investoren aus aller Welt mit zweifelhaften Absichten aufgekauft wird, sind es die Kinder: “Diese Kinder wolllen lernen und die größte Strafe war für sie, ihnen die Hefte wegzunehmen”, unterstrich auch Schwester Lea Ackermann (Solwodi). Und es sind die Frauen, von deren Kraft und Würde Afrika lebt: “Man kann sich auf die Frauen in Afrika verlassen”. Und aus genau diesem Grund ist in der Post 2015-Agenda (in Fortsetzung der Milleniumsagenda, nach der bis 2015 die absolute Armut in Afrika halbiert werden sollte), an der eine Gruppe aus 13 Männern und Frauen gerade arbeitet, die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Kindern der erste große Punkt.

“Was können wir tun”, fragt ein Diskussionsteilnehmer. “Nachdenken, woher die Rohstoffe, z.B. Coltan in unseren Handys, kommen. Überlegen, was passiert, wenn alle Menschen so viel Fleisch essen, wie wir hier in Deutschland”, sagt Köhler. Und gibt hier auch gleich die Anwort: “Dann würde unsere Erde wegen des vielen CO2 platzen.” Und einen Paradigmenwechsel anstreben: Nicht mehr Entwicklungshilfe, sondern partnerschaftliche Entwicklungsarbeit.

Die Zeit geht schnell vorbei, Köhlers Referent mahnt mit Blick auf die Uhr zur Eile, der nächste Termin wartet. Und während in den Foyers angeregt diskutiert wird und Wolfgang Niedecken noch einige Signierwünsche erfüllt. fahren auf dem Schulhof die schwarzen Limousinen vor und ab. Schulleiter Rudolf Loch atmet auf: “Alles hat gut geklappt. Es war eine gelungene Veranstaltung”. (mrk) 

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Filmbeitrag TV Mittelrhein