Ein Leben retten. Das kann ganz einfach sein: Es tut nicht weh, hat keine Nebenwirkungen, dauert nur ein paar Minuten und kostet - wenn man eine Sponsor hat - keinen Cent. Einzige Bedingung: Mann oder Frau muss 17 und 55 Jahren alt sein und darf nicht weniger als 50 Kilogramm wiegen. „Welche Risiken gibt es?“ wollten in der vergangenen Woche die Schüler des Johannes-Gymnasiums wissen, die sich zu Vortrag und Typisierungsaktion der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) in der Aula eingefunden hatten. „Fast keine für den Spender“, erklärte Daniela Prante vom DKMS-Büro Köln: „Wenn man als Spender infrage kommt, dann ist das einzige Risiko die Vollnarkose bei einer Entnahme von Stammzellen im Beckenkamm.“ Aber sie beruhigte die Schüler auch gleich: Bei gut 80 Prozent läuft die Spende über eine Blutentnahme. Film und Vortrag sowie die anschließende Fragestunde zeigten Wirkung: Rund 160 Schüler und einige Lehrer ließen sich typisieren. Für die Schüler war die Typisierung kostenlos: Die Volksbank Rhein-Lahn unterstützt die gute Sache mit 1000 Euro – symbolisch überreichten Pia Breisig und Uwe Kewitz einen Scheck.


Die ersten Schüler hatten das Ende des Vortrags in der Aula nicht abgewartet und sich schon ein Stockwerk tiefer mit einem Fragebogen beschäftigt. Nach geleisteter Unterschrift kamen die Wattestäbchen zum Einsatz: Die Typisierung läuft in der Regel über einen Abstrich der Wangenschleimheit. Diese wandern dann ins Labor: Jede einzelne Typisierung kostet 50 Euro. Alle Daten werden in einer Spenderdatei gesammelt und stehen dann weltweit zur Verfügung. „Dabei ist die Suche nach einem geeigneten Spender für einen Blutkrebspatienten wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen“, hatte zuvor Daniela Prante deutlich gemacht. Wenn bei Spender und Empfänger die Gewebemerkmale fast vollständig identisch sind, spricht man von einem genetischen Zwilling. Je mehr Menschen sich typisieren lassen, umso höher also die Chance, dass man so einen „Zwilling“ findet. Ist dann ein passender Spender gefunden, vergeht immer noch einige Zeit und viele zusätzliche Untersuchungen, bis es zur eigentlichen Stammzellenspende kommt. Wenn es dann aber soweit ist, muss es ganz schnell gehen. Dann muss das Blut des Spenders innerhalb von 24 Stunden beim  Empfänger sein – weltweit. Der Empfänger ist auf diese Bluttransfusion ebenfalls akribisch vorbereitet worden, für ihn sind die zwei folgenden Wochen dabei überaus schwierig. Denn solange braucht der Körper des Patienten, um auf die neuen Stammzellen zu reagieren, sie zu „akzeptieren“ und zu integrieren. In dieser Phase hat der Patient kein Immunsystem und ist besonders anfällig für Infekte aller Art. Beginnen die Stammzellen dann mit ihrer Arbeit und bauen ein neues Immunsystem auf, steht der Heilung nichts mehr im Wege. „Zwischen 40 und 80 Prozent aller so behandelten Leukämiepatienten können anschließend ein normales, gesundes Leben führen“.

Gegründet wurde die DKMS,  der mittlerweile weltweit größte Dateienverbund, im Jahr 1991 vom Mechthild Harf. Sie war selbst an Blutkrebs  erkrankt und auf eine Knochenmarkspende angewiesen. Auf ihre private Initiative hin liessen sich damals tausende Menschen typisieren – heute sind mehr als 4,3 Millionen Menschen in der Datei registriert, 42 000 Menschen haben seit 1991 die Chance auf ein neues, gesundes  Leben erhalten. Doch noch immer warten 20 Prozent der Leukämiepatienten auf den geeigneten Spender und alle 16 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs, da ist jeder Spender wichtig. Vielleicht war ja am Johnny ein Lebensretter  dabei. (mrk)