Es ist ein tiefer Einschnitt in die bewegte Geschichte einer Schule, die Lahnstein über Jahrzehnte mit prägte: Ab dem Schuljahr 2019/20 bietet das „Johnny“ keine altsprachliche Eingangsklasse mehr an. Als Grund für diese einschneidende Richtungsänderung nennen Schulleitung und Schulträger das gesunkene Interesse an Latein als erste Fremdsprache.

Das Johannes-Gymnasium wurde 1920 zunächst als rein altsprachliches Gymnasium von den Arnsteiner Patres gegründet. Foto: Johnny

Das Johannes-Gymnasium wurde 1920 zunächst als rein altsprachliches Gymnasium von den Arnsteiner Patres gegründet.
Foto: Johnny





Die verschiedenen Gremien der Schulgemeinschaft (Gesamtkonferenz, Schulelternbeirat, Schulausschuss) und der Schulträger, die St. Hildegard-Schulgesellschaft des Bistums Limburg, haben den Beschluss gefasst, den altsprachlichen Zweig nicht mehr aufrechtzuerhalten. Bis dato war eine der drei oder vier Klassen eines Jahrgangs eine Lateinklasse, die mit Latein als erster Fremdsprache in der fünften Klasse startete. Für diese Schüler war dann Englisch als zweite Fremdsprache in der sechsten Klasse verpflichtend zu belegen, eine dritte verpflichtende Fremdsprache (Französisch oder Altgriechisch) folgte in Klassenstufe acht. „Leider ging die Nachfrage nach diesem Angebot in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück, in den letzten beiden Jahren konnten wir bereits keine altsprachliche Klasse mehr einrichten“, bedauert Schulleiter Rudolf Loch gegenüber unserer Zeitung. Dies entspreche allerdings auch dem allgemeinem Trend in der Schulentwicklung in Rheinland-Pfalz. (...)

Mit dieser Entscheidung endet eine lange Tradition am Johannes-Gymnasium, das ursprünglich als rein altsprachliches Gymnasium 1920 von den Arnsteiner Patres gegründet worden war. Zukünftig bietet die Lahnsteiner Schule also drei neusprachliche Eingangsklassen an, wovon eine Klasse bereits seit vielen Jahren als Ganztagsklasse in Angebotsform geführt wird. Weiterhin haben die Schüler laut Schulleiter Loch auch die Möglichkeit, Latein (oder Französisch) als zweite Fremdsprache in der sechsten Klasse zu wählen und damit am Ende der zehnten Klasse auch das Latinum zu erwerben. „Natürlich ist die Aufgabe des altsprachlichen Zweiges für uns ein Verlust an Profil“, gibt Loch zu, verweist aber auf andere, neue Profilfelder der Schule: „Der naturwissenschaftliche Bereich hat sich zum Beispiel sehr gut entwickelt.“

Aktuell diskutiere man schulintern die Frage, ob man neben Latein und Französisch das Fach Spanisch als freiwillige dritte Fremdsprache anbieten werde. „Bisher gibt es dieses Fachangebot bei uns lediglich in der Oberstufe als freiwilliges Grundfach“, erklärt Loch, der auch betont, dass das „grundsätzliche Profil als christliche Schule von dieser Entwicklung unberührt bleibt“. Wenig verwunderlich, immerhin ist der Schulträger ja das Bistum Limburg. Der Schulleiter zeigt sich davon überzeugt, dass man weiterhin ein „sehr breites Bildungsangebot anbietet, in dem jeder Schüler seine Neigungen und Talente entwickeln kann – und das auf der Basis eines christlichen Erziehungskonzepts.“

Loch verweist auch drauf, dass das Johnny zu den wenigen Schulen im Land Rheinland-Pfalz gehöre, dass ein Zusatzangebot im Fach Musik anbiete und ist gleichzeitig „MINT-EC-Schule“ sei – und damit zu einem Netzwerk von Schulen mit Sekundarstufe II und ausgeprägtem Profil in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften gehört.

Tatsächlich haben Johnny-Schüler hier in der Vergangenheit einiges erreicht: So war man im diesjährigen Wettbewerb Jugend forscht/Schüler experimentieren mit drei Landessiegern und 31 Wettbewerbsbeiträgen die erfolgreichste Schule im Land. Loch verweist auch darauf, dass man in das weltweite Netz der anerkannten UNESCO-Projektschulen aufgenommen worden sei. „Alles in allem sehe ich uns gut für die Zukunft aufgestellt.“

Tobias Lui in der Rhein-Lahn-Zeitung vom 19.10.2018