Liebenswerte und offene Menschen, ein Land im Wandel und spektakuläre Naturerlebnisse – das war es, was die Schülergruppe des Johannes-Gymnasiums auf einer Begegnungsreise von 5. bis zum 17.7.2016 in Ruanda, dem Partnerland von Rheinland-Pfalz, erwartete. Das Ziel war der Besuch unserer Partnerschule, der Ecole Technique Paroiselle in Nyarurema, aber auch der Austausch mit einer völlig fremden Kultur, der einzigartigen tropischen Natur sowie der Umgang mit der bewegten Geschichte Ruandas. Die Gruppe von 9 Schülerinnen und Schülern wurde begleitet von den Lehrern Dr. Martin Hübner und Björn Ackermann, dem Schulleiter Rudolf Loch sowie dem ehemaligen Johnny-Schüler David Marx, der zurzeit sein FSJ an unserer Partnerschule macht. Nach einem langen Flug mit Zwischenstopp in Doha (Katar) wartete bei der Ankunft in Kigali schon der erste Schreck auf uns: Das Zentrum der Hauptstadt war wegen eines Besuchs des israelischen Premierministers Netanjahu für den Straßenverkehr gesperrt. Wir mussten also mit unserem Gepäck zu Fuß zu unserem Bus laufen, der uns etwas außerhalb erwartete und uns in einem großen Bogen um die Stadt zu unserer Unterkunft brachte. Mehrere Unterschiede zu Deutschland sind uns direkt aufgefallen. Zum einen das schwerbewaffnete Sicherheitspersonal, das jede Straßenkreuzung, jeden Geldautomaten, jedes Geschäft und sogar Wohnhäuser mit Maschinengewehren bewacht. Zweitens haben wir auf der ganzen Reise nur dort, wo man viel Geld bezahlt (Nationalparks, Hotels, Flughafen), Weiße gesehen, aber nie auf der Straße. Dementsprechend viel Aufmerksamkeit haben wir auch stets bekommen. Drittens: Die Stadt gilt nicht zu Unrecht als die sauberste Afrikas. Nirgendwo lag Müll herum und oft hat man Putzkolonnen gesehen, die den bereits sauberen Bürgersteig erneut gefegt haben; es wirkte fast wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Viertens: Das Leben findet auf der Straße und nicht wie bei uns in den Wohnhäusern statt. Dementsprechend wuselig und bunt ist das Straßenbild. Den Tag haben wir zum Ankommen genutzt und abends in einem angesagten Restaurant beim Public Viewing des Fußballspiels Portugal-Wales beendet. Am nächsten Morgen haben wir uns auf den Weg zur Partnerschule im Nordosten des Landes aufgemacht. Auf dem Weg ist uns die dichte Besiedelung aufgefallen (Ruanda ist das Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte in Afrika). Den Straßenrand säumen Bananen- und Teeplantagen, in der hügeligen Landschaft Ruandas wird kein Quadratmeter verschenkt. Nach einigen Stunden Fahrt, hauptsächlich auf einer ruckeligen Staubpiste, sind wir in Nyarurema angekommen und wurden direkt offiziell begrüßt. Die Feier, bei der alle Schüler und Lehrer anwesend waren, bestand aus Reden, der Vorführung traditioneller Tänze sowie dem Austausch von Geschenken und der Übergabe eines Schecks im Wert von 7 Millionen Rwandan Franc (8000 Euro). Anschließend ging es um das persönliche Kennenlernen der ruandischen und deutschen Schüler. Am Nachmittag gab es ein gemeinsames Basketballspiel, das allen viel Spaß bereitet hat. Außerdem haben wir uns an die Hauptaufgabe unseres Besuchs gemacht: Die Verkabelung des Computerraums und die Einrichtung eines Computernetzwerks. Es war viel Arbeit bis in die Nacht nötig, bis auf der Netzwerkanzeige die ersten Balken erschienen sind. Am nächsten Tag durften wir zusammen mit Partnerschülern dem typischen Unterricht beiwohnen. So konnten wir zum Beispiel in „Computer Science“ den Theorieunterricht verfolgen oder in „Construction“ lernen, wie man aus einfachsten Materialien eine stabile Wand baut. So fiel es uns schwer, sich am Nachmittag von den lieb gewonnen Schülern zu trennen und zum Lake Muhazi aufzubrechen.

 Von dort sind wir am nächsten Morgen in aller Frühe zum Akagera-Nationalpark an der Ostgrenze des Landes gestartet. In zwei offenen Jeeps sind wir durch die Savannenlandschaft des Parks gefahren und haben Antilopen, Affen, Elefanten, Giraffen, Zebras, Warzenschweine, Wasserbüffel, Vögel, Krokodile und Nilpferde aus nächster Nähe gesehen. Unglaublich! Nach dieser eindrucksvollen Naturerfahrung sind wir am nächsten Morgen in Richtung Butare aufgebrochen. Zwischendurch haben wir in Kigali gehalten, um den Schulleiter abzusetzen, der frühzeitig zurück nach Deutschland musste. Das Programm hat an diesem Tag in Nyanza stattgefunden, wo wir den alten Königspalast besichtigt haben. Zu sehen waren drei Strohhütten aus vorkolonialer Zeit und ein etwas modernerer Palast aus dem Jahre 1932. Bei der Führung haben wir viel über das Leben zur damaligen Zeit gelernt. Im Anschluss haben wir noch das Museum für moderne Kunst gesehen, welches sich im neuesten Königspalast befindet, der allerdings nie bewohnt wurde. Am nächsten Tag ging es ins nächste Museum: Dieses Mal das ethnografische Museum in Butare. Auch dieses war sehr schön gestaltet und der Guide wusste uns auf unterhaltsame und spannende Weise die Exponate näherzubringen. Später haben wir uns dann eine Kaffeeplantage angeschaut und gelernt, wie der Kaffee wächst und verarbeitet wird. Der nächste Morgen war wieder durch frühes Aufstehen gekennzeichnet. Es ging nämlich zum Nyungwe-Nationalpark an der Westgrenze Ruandas. Schon auf der Hinfahrt zum Regenwald haben wir vom Bus aus viele Affen gesehen. Im Nationalpark war es aufgrund der Höhe morgens kalt, doch der Anblick der üppigen Vegetation belohnte uns. Der Höhepunkt war eine Hängebrücke über ein Tal, von der aus man zu allen Seiten nichts als Grün sehen konnte, soweit das Auge reichte.

Auf der Rückfahrt haben wir die Genozid-Gedenkstätte in Gikongoro besichtigt. Allein in der ehemaligen Schule dort sind 1994 mehr als 50.000 Menschen zusammengetrieben und brutal ermordet worden. In ganz Ruanda sind während des 100 Tage andauernden Genozids fast eine Million Menschen getötet worden. Heute klärt ein Museum über den Verlauf des Völkermords auf. In ehemaligen Klassenzimmern sind zur Erinnerung hunderte mumifizierte Leichen aufgebahrt, man sieht sie im Moment ihres Todes. Der Anblick hat uns alle ziemlich mitgenommen, sodass wir den Rest des Tages ohne weiteres Programm verbracht haben.

Der nächste Tag war ganz der fünfstündigen Fahrt nach Kibuje am Ufer des Kivu-Sees gewidmet. Unterwegs haben wir aus dem Bus auch das eine oder andere Flüchtlingscamp für Flüchtlinge aus dem Ostkongo aus der Ferne gesehen. Den Nachmittag haben wir im wunderbar gelegenen Hotel genossen, wo aufgrund der –in Ruanda durchaus üblichen- langen Wartezeit von über zwei Stunden im Restaurant der Nachmittagssnack zum Abendessen geworden ist. Auch den nächsten Tag konnten wir ruhig angehen und erst mal ausschlafen. Danach ging es in einem kleinen Motorboot raus auf den Kivu-See. Auf einer malerischen Insel haben uns hunderte Flughunde eine beeindruckende Show geboten, während sich auf einer anderen Insel ein Affe über unsere extra mitgebrachten Bananen hergemacht hat. Mittags ging es auf den Markt in Kibuye und anschließend ins vor kurzem eröffnete Umweltmuseum. Dieses hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Bevölkerung über die verschiedenen Energieformen und besonders über die Vorteile der Erneuerbaren Energien aufzuklären. Das Museum war sehr gut gestaltet, leider haben wir bei unserem Vorwissen nicht viel Neues gelernt. Dafür haben wir auf dem Dach noch einige traditionelle Heilpflanzen vorgestellt bekommen. So langsam hat sich unsere Reise dem Ende zugeneigt und so ging es am nächsten Tag zurück nach Kigali und zum Partnerschaftsbüro von Rheinland-Pfalz. Dort haben wir uns über unsere Reise ausgetauscht und erklärt bekommen, wie das Koordinationsbüro arbeitet und für welche Aufgaben es zuständig ist. Leider hat der während unserer Reise in Kigali stattfindende Gipfel der Afrikanischen Union einen Strich durch unsere Programmplanung gemacht, da die ganze Stadt von Straßensperren übersät und ein schnelles Vorankommen ausgeschlossen war. Regelmäßig sind Regierungsfahrzeug-Kolonnen an uns vorbei über die leeren Straßen gerauscht. Die ganze Stadt war im Ausnahmezustand. Daher musste der eigentlich geplante Besuch des Präsidentenpalastes und einer weiteren Genozid-Gedenkstätte ausfallen, stattdessen haben wir uns zu Fuß auf den Weg zum Markt gemacht, um letzte Eindrücke vom Leben in der afrikanischen Metropole zu sammeln. Wegen der unsicheren Verkehrssituation haben wir uns an unserem letzten Tag schon über fünf Stunden vor Abflug auf den Weg zum Flughafen gemacht, was definitiv angebracht war, denn schon hundert Meter nach der Abfahrt vom Hotel standen wir in der ersten Straßensperre. Wie durch ein Wunder wurden wir jedoch nach zwei Minuten durchgewunken und konnten so über die wie für uns abgesperrten, völlig leeren Straßen in 20 Minuten zum Flughafen fahren. Der Flughafen ist verglichen mit Frankfurt winzig; die Abflughalle bestand aus einem großen Raum, von dem aus sechs Türen (beschriftet mit „Gate 1“ bis „Gate 6“) nebeneinander aufs Rollfeld führten. Mit etwas Verspätung ging es wieder über Doha zurück in die Heimat. Am Ende der Reise waren alle erschöpft aber glücklich über die gemachten Erfahrungen.

Alles in Allem konnten wir einen ersten Eindruck vom Entwicklungsstand des Landes, das nach dem Genozid völlig am Boden lag, gewinnen. So haben wir beispielsweise nicht die unterernährten Menschen vorgefunden, die man sonst aus dem Fernsehen kennt. Der Blick auf die Statistik verrät außerdem, dass 95% der Kinder Schulbildung erhalten. Andererseits ist das Leben besonders in den ländlichen Gebieten immer noch sehr einfach und hart und die Behausungen schlicht. Es gab während unseres Aufenthalts mehrere Stromausfälle am Tag und auch der Wassermangel während der Trockenzeit war allgegenwärtig.


Die Partnerschaft zwischen der ETP Nyarurema und dem Johannes-Gymnasium Lahnstein, die seit 2011 besteht, wird auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Geplant ist als nächstes der Bau einer neuen Halle, in der besserer Handwerksunterricht gegeben werden kann. So soll an unserer Partnerschule mit dem Handwerk ein neuer Schwerpunkt neben Informatik entstehen. Auch soll hoffentlich bald wieder ein Gegenbesuch der ruandischen Schüler in Deutschland stattfinden, wie er schon 2014 realisiert wurde. In einigen Jahren sollen dann wieder Johnny-Schüler nach Ruanda fahren können, um hoffentlich ähnlich neue und wichtige Erfahrungen zu machen wie wir.

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(Felix Goldstein, 31.08.2016)