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Abiturientia 2010 läutet den Abschied vom Johnny mit vielfältigem und emotionalem Programm ein
Da sitzen sie nun dicht gedrängt auf dem schmalen Rand dieser großen Bühne – sieben junge Damen, allesamt in elegantem Schwarz gekleidet, die Beine zumeist übereinander geschlagen, die Sprache ihrer Mienen irgendwo zwischen Freude und Melancholie. Die Aula des Johannes-Gymnasiums ist mittlerweile – an diesem nun sehr späten Donnerstagabend – von Dunkelheit erfüllt. Nur die Projektionen auf der Leinwand hinter den „Glorreichen Sieben“, wie das singende Septett sich selbst getauft hat, erfüllen den Raum mit etwas Licht. Der Worte sind genug gefallen in den vergangenen neun Jahren – das ist offensichtlich die Botschaft der Abiturientia 2010, die zum Ende ihres Kulturabends Klänge und Bilder sprechen lässt. Zum sinnfälligen Titel „Happy Ending“ des Sängers Mika leuchten am Ende Fotos auf, die glückliche junge Menschen zeigen – und Geschichten erzählen. Solche von Freundschaft, gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen – selbstredend auch Bilder, die das ein oder andere exzessive Vergnügen dokumentieren… Es ist in diesem Moment, als das Gefühl des Abschieds, das sich den ganzen Abend schon subtil im Raum versteckt hat, aus der Deckung tritt. Als klar wird, dass nun wirklich die finale Runde einer neunjährigen Lebensphase eingeläutet ist, bahnen sich die Emotionen ihren Weg: Viele Schülerinnen und Schüler und auch manche der im Publikum befindlichen Weggefährten kämpfen nun mit den Tränen. Es ist der sentimentale Schlusspunkt eines Abends, an dem die rund 100 Mitglieder der 13. Jahrgangsstufe gezeigt haben, welche vielfältigen Talente in ihnen stecken – es sind vor allem musikalische. Das kreative Potenzial der jungen Erwachsenen kommt aber auch bei zahlreichen literarischen, komödiantischen oder sportlichen Einlagen zur Entfaltung. Das fängt bei den sprachlich stimmigen und atmosphärisch sehr dichten Kurzgeschichten an, die drei Schüler verfasst haben und den geschätzten 350 Gästen vortragen. Der Einfallsreichtum der Abiturientia manifestiert sich ebenso bei der Vorführung von professionellen Videos, die vor allem durch die Stimmigkeit von Bildschnitten und Hintergrundmusik beeindrucken. Da sind einerseits Werke klassischer Komponisten, die in lustigen oder düsteren Sequenzen visualisiert werden, aber auch eine Demonstration der Künste am Basketball, die in schnell geschnittenen Bildern von Hip-Hop-Klängen untermalt werden. In der Pause lädt eine Ausstellung im Unterricht angefertigter Kunstwerke zum Zeitvertreib – und auch während ihres insgesamt dreieinhalbstündigen Programms gelingt es den Gastgebern immer wieder, durch stilistische Brüche für Abwechslung zu sorgen. Einen roten Faden indes bildet der spielerische, unverkrampfte Umgang mit einigen kleineren Pannen, was die Technik oder Absprachen untereinander angeht. Gerade auf letzteren Aspekt dürfte Schulleiter Rudolf Loch angespielt haben, als er den Schulabgängern in spe „einen sympathischen Auftritt voller Menschlichkeit“ bescheinigte. „Ihr habt Euch heute ein Denkmal gesetzt“, rief er den Schülerinnen und Schülern sichtlich beeindruckt zu, „es ist schön zu sehen, was für unglaublich gereifte Persönlichkeiten hier in den letzten neun Jahren entstanden sind.“ Emotional aufgeladen gingen schließlich auch die Besucher nach diesem ausufernd langen, aber nie langweiligen Abend nach Hause. Besonderen Eindruck dürften dabei die zahlreichen musikalischen Arrangements mit ihrer enormen Varianz, was sowohl Stil als auch Instrumente anbelangt, hinterlassen haben. Hervorzuheben ist hier sicherlich Jan Helge Müller, der in zahlreichen Darbietungen am Flügel brillierte und sein herausragendes Talent unter Beweis stellte. Für ihn wie für alle anderen galten die abschließenden Worte, die Rudolf Loch ihnen mit auf den Weg gab: „Eigentlich habt Ihr Euer Reifezeugnis bereits heute Abend abgelegt.“ So etwas nennt man dann wohl in der Tat ein „happy ending“. Christoph Oster |




